SEO: Matthias Klenk im Experten-Interview

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SEO: Matthias Klenk im Experten-Interview

Wer möchte nicht bei den Suchergebnissen von Google an erster Stelle stehen? Doch wenn es um die konkrete SEO-Praxis in Unternehmen geht, stellen sich viele Fragen: Welche Strategien sind zeitgemäß? Und welche längst obsolet? Wir haben Experte Matthias Klenk in einem kurzen Interview zu Rate gezogen.

Herr Klenk, welche SEO-Tricks gelten inzwischen als überholt?

Matthias Klenk: SEO-Tricks sind seit jeher die falsche Methode, um bessere Rankings in den Suchergebnissen zu erzielen. Ein altbekanntes und ziemlich überholtes Beispiel sind Webverzeichnisse. Diese waren ein beliebtes Mittel, um Backlinks zu erhalten. Allerdings mutierten die Verzeichnisse schnell zu mit Links überschwemmten Seiten – mal alphabetisch, mal chronologisch sortiert. Ein sinnvoller Aufbau oder eine Themenrelevanz konnte hier meist nicht erkannt werden. Zudem wiesen Webverzeichnisse keine eigenen oder gar irrelevante Inhalte auf und waren so lediglich „Linkschleudern“. Das wurde von Google erkannt, und die aufgebauten Backlinks waren danach meist wertlos oder gar toxisch.

Oder nehmen wir den Linkkauf. Der aktive Linkkauf bei – meist eigens erstellten Webseiten – ist ebenso toxisch. Sogenannte PBN-Backlinks (Private Blog Networks) werden auf eigens dafür erstellten Webseiten bzw. Blogs hinterlegt. Selbst wenn ein Texter in einem themenfremden Blog einen Beitrag zu einem relevanten Thema erstellt, sind diese Webseiten an sich nicht seriös, da diese ja nur in ihrem eigenen „Private Blog Network“ verlinkt sind. Ein gutes Beispiel für einen gekauften oder auch erfragten Backlink ist hingegen ein Gastbeitrag eines Foodbloggers bei einem anderen Foodblogger. So ist eine Themenrelevanz gegeben und auch die Inhalte stimmen. Ein Beitrag der ZEIT über ein Startup mit Link zum Unternehmen ist natürlich das Optimum.

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Nicht als SEO-Trick, sondern eher als SEO-Unsinn würde ich die klassischen SEO-Texte einstufen. Ja, sie ranken gut. Ja, das Keyword ist oft genug genannt. Und Ja, jedes einfache SEO-Analyse-Tool sagt, dass alles in Ordnung sei. Doch hier hat man meist die Rechnung ohne den Nutzer gemacht. Denn SEO-Texte lesen sich schlecht. Die Überschriften sind mit Keywords überfrachtet und sehen wenig einladend aus. Die Conversion einer solchen Seite ist meist sogar schlechter als bei einem sinnvollen, gut strukturierten Text.

Neben dem SEO-Text kann zudem Keyword Stuffing genannt werden. Während häufig 3,5 Prozent als optimale Keywordrate angegeben werden, ist es sinnvoller, die jeweilige Seite an den Besucher anzupassen und relevante Informationen bereitzustellen. Wenn dann noch die Struktur der Überschriften stimmt und das Keyword oder die Keywordphrase, reicht das meist schon aus.

Und zum Schluss noch der Klassiker: Ein ganz alter Hut des Black Hat SEO ist weißer Text auf weißem Grund. Auch diese Manipulation hat Google damals schnell erkannt. Denn Suchmaschinen wie Google arbeiten ständig an der Verbesserung ihrer Algorithmen. Seit 2019 geht Google auch vermehrt auf Webmaster zu und gibt etwaige Updates bekannt. Die oberste Prämisse ist es daher, zuerst an die User bzw. Besucher zu denken. Denn nur, wenn die passenden Informationen bereitstehen und der Besucher die Webseite als einladend und seriös betrachtet, kommt es zu einer Conversion.

Welche Auswirkungen haben visuelle und sprachbasierte Suchanfragen auf die SEO-Praxis in Unternehmen?

Matthias Klenk: Techniken zur Auswertung bzw. das Auslesen von Bild- und Sprachdateien sind für Suchmaschinen wie Google nichts Neues, stecken aber noch in den Kinder- oder eher Teenieschuhen. Bei der visuellen Suche nutzt Google Machine Learning, um den Inhalt des jeweiligen Bildes zu erkennen. Beim E-Commcerce sollte darauf geachtet werden, dass die jeweiligen Bilder auch technisch einwandfrei präsentiert werden.

Eine braune Chesterfieldcouch für 3 Personen sollte daher auch so benannt werden. Dateiname und Alt-Tag sollten passen, die Auflösung und die Bildgröße sollten optimiert sein und das Ganze muss auf einer passenden Produktseite platziert werden. Weiterhin sollte noch eine passende Bilder-Sitemap verwendet werden, um es Suchmaschinen wie Google zu erleichtern, die Inhalte zu finden, auszuwerten und zuzuordnen. Im Endeffekt ist dies klassische Bilder-SEO.

Das Thema Strukturierte Daten spielt bei der sprachbasierten Suche noch eine größere Rolle: Durch die Verwendung der FAQ-Seite können beispielsweise direkte Antworten auf Suchanfragen vorprogrammiert werden. Generell sind strukturierte Daten (auch Mikrodaten genannt) absolut hilfreich für Suchmaschinen, denn hier werden ihnen die benötigten Daten nach Schema F präsentiert – und das lieben sie.

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Die Erkennung, bzw. Auswertung visueller oder sprachbasierter Suchanfragen sollte daher für optimierte Unternehmenswebseiten kein Problem darstellen. Wichtige Faktoren sind hierbei Bilder-SEO für die visuelle Suche und strukturierte Daten für die sprachbasierte Suche.

Mit welchen Kniffen können kleinere Unternehmen bzw. Selbstständige ohne SEO-Experten im Team ihr Ranking verbessern?

Matthias Klenk: Zuerst sollte man sich im Klaren sein, was genau gesucht wird. Zu Beginn ist daher eine Keywordanalyse der Schlüssel. Hier helfen diverse Tools oder auch ein Blick auf die Wettbewerber, um die ersten Werte zu ermitteln. Mit diversen Tools, wie beispielsweise dem Keyword Planner, hat man die Möglichkeit, die eigenen Positionierungen zu den gewünschten Suchanfragen zu ermitteln. Daraus ergibt sich ein grobes Bild des Ist-Zustands, den es anschließend zu optimieren gilt. Hierzu zählen nahezu immer der Ausbau bestehender und die Erstellung neuer Inhalte.

Zudem dürfen die technischen Aspekte nicht außer Acht gelassen werden, denn die URL, der passende Seitentitel und die H1 definieren maßgeblich das Keyword bzw. die Keywordphrase. Kostenlose Tools helfen, die meisten technischen Aspekte im Blick zu behalten und langfristig zu optimieren.

Bei der Google-Suche ist zudem die Einrichtung der eigenen Webseite in der Search Console sowie ein Eintrag bei „Google My Business“ essentiell wichtig. Die regelmäßige Kontrolle sollte hier auf der Tagesordnung stehen. Nichtsdestotrotz bleibt die oberste Priorität immer der Besucher. Angemessene Preise, ein seriöses Erscheinungsbild und passende Bezahloptionen führen sicherlich zu den meisten Conversions.

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