Künstliche Intelligenz: Benjamin Eidam im Experten-Interview

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In diesem Interview sprechen wir über ein Thema, das wie kaum ein zweites in der Öffentlichkeit präsent ist: Künstliche Intelligenz (KI). Als Experten für dieses Gebiet haben wir Benjamin Eidam, den Gründer der transhumanen Partei Deutschland, befragt.

Herr Eidam, welche Bedenken gibt es derzeit gegen den Einsatz von Künstlicher Intelligenz in Unternehmen?

Benjamin Eidam: Es gibt eine Vielzahl von Unklarheiten und Vorbehalten gegenüber Künstlicher Intelligenz. Diese lassen sich im Wesentlichen in 3 Bereiche zusammenfassen: Daten, Ethik und Komplexität.

Datenbezogene Fragen

  • Wie sicher ist der Einsatz von KI?
  • Was kommt heraus, wenn ich eine KI einsetze?
  • Wo sind meine Daten gespeichert?
  • Wie kann ich sicherstellen, dass auch im Falle einer Pleite oder Übernahme meine Daten nicht in die falschen Hände geraten?

Das KI-Gütesiegel ist ein erster Schritt in die richtige Richtung. Außerdem können kontinuierliche Weiterbildung sowie der eigene Einsatz und Aufbau von praktischen Kompetenzen dazu beitragen, diesen Bedenken entgegenzuwirken. Sei es durch strategische Zukäufe wie bei Otto, sei es durch interne Maßnahmen wie im Beispiel Bosch.

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Ethische Fragen

  • Wie kann ich sicherstellen, dass meine KI tut, was sie soll und keine vorprogrammierten Fehler umsetzt (z. B. rassistische Algorithmen)?
  • Wie kann die Ethik in die Technik implementiert werden?
  • Wo beginnen ethische Fragen bei meinem Geschäftsmodell? Bereits in der Datenbank? Oder erst bei der KI, die diese nutzt?

Hier ist es wichtig, noch vor der ersten geschriebenen Programmzeile einen Wertekatalog zu haben, denn dieser wird quasi von Beginn an in die KI „eingraviert“.

Fragen zur Komplexität

  • KI ist eine Blackbox – was passiert da überhaupt?
  • Was genau macht die KI (z. B. Bilderkennung nicht anhand des Zielmotivs, sondern anhand von Kontextinformationen)?
  • Welche (Art von) KI ist für mich die richtige? Warum?

Dies führt vielleicht zur wichtigsten Frage im ganzen Gebiet: Wer kann mir bei all diesen Fragen am besten helfen? Meine Antwort darauf ist meist die: Eigne dir ein gewisses Grundwissen an und suche basierend darauf gezielt nach Unterstützung. Denn dadurch lässt du dich nicht von wilden Buzzwords und astronomischen Versprechungen täuschen, sondern kannst selbst einschätzen, wie realistisch welcher Vorschlag ist.

Für welche Branchen wird Künstliche Intelligenz in Zukunft besonders relevant sein?

Benjamin Eidam: Prinzipiell jede nur vorstellbare Branche. Als Faustregel gilt momentan: Je mehr interdisziplinäre, komplexe und empathische Fähigkeiten bei einer Tätigkeit gefordert sind, desto länger dauert es, bis KI dort in relevantem und skalierbarem Maße eingesetzt wird. Deshalb sind disziplinübergreifende Berater und Pflegekräfte aktuell am sichersten, Rechtsanwälte und Taxifahrer am gefährdetsten.

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Lange hieß es, Kreativität sei noch eine der Schlüsseleigenschaften. Seit langem aber gibt es Beispiele aus verschiedenen Bereichen, in denen eine „Eroberung durch KI“ zu beobachten ist: von Gedichten und Liedern über Bilder und Musikstücke bis hin zum Kreieren neuer chemischer Verbindungen und Materialien.

Künstliche Intelligenz: Benjamin Eidam im Interview
(zum Vergrößern anklicken) Urheber: Benjamin Eidam

Da bei Kreativität je nach Kontext und Einsatz allerdings auch komplexe und interdisziplinäre Fähigkeiten eine Rolle spielen können, sehe ich diese momentan genau in der Schnittmenge zwischen heutigem und baldigem Einsatz von KI.

Inwiefern verändert Künstliche Intelligenz die Aufgaben des Managements?

Benjamin Eidam: Vor allem auf zwei Ebenen:

1. Einbezug der KI in die Führung

Manche Unternehmen haben bereits künstliche Intelligenzen im Vorstand „sitzen“ und lassen immer mehr Entscheidungen algorithmisch treffen oder diese zumindest beurteilen. Da Künstliche Intelligenz immer schneller, besser und aktueller informiert ist sowie rationaler urteilt, wird es hier mehr und mehr zu einer ähnlichen Entwicklung wie in der Medizin kommen: Wo früher vier Experten einen Scan beurteilt haben, braucht es heute nur noch eine KI und einen Arzt, der das Ergebnis prüft und an den Patienten übermittelt.

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2. Das managen der KI selbst

Führung und Mitarbeiter müssen hier ressortübergreifend eingebunden und weitergebildet werden. Dafür braucht es ein klares KI-Ziel. Dieses Management orientiert sich an Fragen wie:

  • Wie, wozu und von wem im Unternehmen soll KI eingesetzt werden?
  • Was sind die KPIs, die mit der Einbindung einer KI verfolgt werden?

Wenn diese beiden Hürden gemeistert werden, ist es nicht unwahrscheinlich, dass Deutschland doch noch im weltweiten KI-Rennen mitspielt. Eines steht trotz aller Fragen und Bedenken fest: Künstliche Intelligenz ist und bleibt die potenzialträchtigste Technologie in der Geschichte der Menschheit. Nutzen wir sie richtig!

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