Körperlich anstrengende Arbeit geht nicht spurlos an der Gesundheit vorbei – so viel ist klar. Sie erhöht das Herz-Risiko, sorgt für eine frühere Sterblichkeit und hat ein hohes Risiko für Verletzungen. Außerdem geht sie oftmals mit ungesünderen Lebensgewohnheiten wie Rauchen einer. Neue Untersuchungen zeigen aber auch, dass der Umgang mit Technik Arbeitnehmern in körperlichen Berufen mehr schadet als in typischen Bürojobs. Durch die Digitalisierung steigen der Leistungs- und Zeitdruck dort rasant an, was sich wiederum auf die Gesundheit auswirkt. Eine neue Studie des ifo-Instituts in Zusammenarbeit mit dem Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) und der Universität Konstanz bestätigt diese Erkenntnis. „Beschäftigte ohne klassische Bürojobs berichten bei stärkerer Digitalisierung von geringerem gesundheitlichem Wohlbefinden und mehr Fehlzeiten“, erklärt Oliver Schlenker, stellvertretender Leiter des Ludwig Erhard ifo Zentrums für Soziale Marktwirtschaft in Fürth. Die Befürchtung, bestehende gesundheitliche Ungleichheiten würden durch die Digitalisierung verstärkt, scheint sich den Daten zufolge zu bewahrheiten.

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Vor allem smarte Technologie ist ein Risiko

In vielen Branchen galt der digitale Wandel lange als Schlüssel zur Effizienz – doch die Untersuchung des ifo-Instituts zeichnet ein differenziertes Bild. Die Studienautoren ziehen eine trennscharfe Linie: Während einfache Computer und Software bereits längst zum alltäglichen Standard geworden sind, meint Digitalisierung in diesem Kontext moderne, smarte Technologie. Dazu zählen etwa vernetzte Maschinen, IoT-Sensoren, Big-Data-Anwendungen, Robotik, KI-Systeme sowie Virtual und Augmented Reality.

Betrachtet man die Dynamik im Job, so erleben körperliche und geistige Berufe einen vergleichbaren Wandel. In beiden Gruppen nehmen die Komplexität der Aufgaben sowie der Zeit- und Leistungsdruck durch neue Soft- und Hardware ähnlich stark zu. Jedoch sind die gesundheitlichen Folgen des Drucks für Arbeitnehmer in körperlichen Berufen um einiges drastischer.

20 Prozent mehr Fehltage bei körperlicher Arbeit

Während bei Büro- und Wissensberufen kein nachweisbarer negativer Zusammenhang zwischen Digitalisierung und Gesundheit festzustellen ist, schlägt der Trend bei Beschäftigten mit überwiegend körperlichen Tätigkeiten voll durch. Betroffene dieser Gruppe berichten von einem sinkenden gesundheitlichen Wohlbefinden. Konkret schlägt sich das in harten Zahlen nieder: Sie fehlen in digitalisierten Arbeitsumgebungen im Schnitt rund 20 Prozent mehr Tage im Jahr.

Da Beschäftigte in körperlichen Berufen und mit niedrigerer formaler Bildung laut den Daten ohnehin häufiger gesundheitlich belastet sind, droht der digitale Wandel bestehende Ungleichheiten auf dem Arbeitsmarkt weiter zu verschärfen.

Technostress sorgt für höhere Belastung

Haupttreiber dieser Entwicklung ist den Ergebnissen der Forscher zufolge der sogenannte „Technostress“. Der Begriff bezeichnet eine Form von Stress, der durch die Nutzung und Interaktion mit digitalen Technologien entsteht und sowohl psychische als auch physische Belastungen verursachen kann. „Neue digitale Anforderungen können besonders dann belasten, wenn Beschäftigten die nötigen Kenntnisse und Erfahrungen fehlen“, so Schlenker.

Wer ohnehin im physischen Dauereinsatz ist und zusätzlich komplexe, smarte Maschinen oder Software-Schnittstellen bedienen muss, ohne sich sicher zu fühlen, zahlt gesundheitlich einen hohen Preis. Darüber hinaus fanden die Forscher heraus, dass Geld allein die Belastung nicht kompensieren kann. Es gab keinen statistischen Hinweis darauf, dass steigende Löhne die gesundheitlichen Negativ-Effekte ausgleichen konnten.

Interessant: Während das Phänomen Technostress bislang vorwiegend negativ betrachtet wird, sehen einige Forscher in dem Stress auch eine Chance. Einer in der Fachzeitschrift „Scientific Reports“ publizierten Studie zufolge kann Stress durch digitale Medien unter bestimmten Bedingungen auch als „Produktivitäts-Booster“ wirken.

Schulungen und Führungskultur als wirksamer Puffer

Die Untersuchung liefert jedoch auch Lösungsansätze für Unternehmen, die den technischen Wandel sozialverträglicher gestalten wollen. Zwei Faktoren erweisen sich demnach als effektive Schutzschilde gegen den Technostress:

  1. Gezielte Digital-Trainings: Beschäftigte, die im Umgang mit der neuen Technik aktiv geschult werden, zeigen kaum schlechtere Gesundheit und keine zusätzlichen Fehltage.
  2. Unterstützende Führung: Ein gutes Arbeitsklima und Vorgesetzte, die den Mitarbeitenden Rückhalt geben, federn die Belastungen ebenfalls massiv ab. Hier sinkt die Zahl zusätzlicher Krankheitstage bei steigender Digitalisierung spürbar.

Für Unternehmen bedeutet das: Wer smarte Maschinen, KI oder Robotik in der Produktion und im Feld einführt, darf nicht nur in die Hardware investieren. Begleitende Qualifizierung und eine nahbare Führungskultur sind essenziell, damit der technologische Fortschritt nicht auf Kosten der Gesundheit der Belegschaft geht.

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Felix Schneider

Felix Schneider ist seit November 2024 bei Unternehmer.de. Nach seinem Studium der Buch- und Medienwirtschaft in Leipzig und einem ersten Exkurs in den Onlinejournalismus beim PRINZ-Magazin entschied er sich, in der Messestadt zu bleiben. Heute ist er SEO & Autor für Unternehmer.de, News.de und Qiez.de. Hier schreibt er vor allem über neue Technologien wie KI und gibt Insights in die Perspektiven der Gen Z. Auch auf X und LinkedIn zu finden.

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