Der Arbeitsplatz prägt einen Großteil unseres Lebens, bis zur Rente arbeiten wir immerhin rund 40 Jahre. Menschen mit einem guten Bildungsabschluss arbeiten meist sogar noch etwas länger. Das zeigt eine Untersuchung des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung (BIB) in Zusammenarbeit mit dem Max-Planck-Institut für demografische Forschung (MPIDR). Umso wichtiger ist es, bei der Arbeit auch auf die eigene Gesundheit zu achten. Doch während wir meist an Rückenschmerzen oder Augenbelastung denken, wenn es um die Gesundheit geht, zeigt die Forschung: Auch die Gehirngesundheit und das spätere Risiko für Alzheimer oder andere Demenzformen hängen eng mit unserem Arbeitsalltag zusammen. Von mentaler Unterforderung bis hin zu chronischem Stress – bestimmte Bedingungen am Arbeitsplatz können das Gehirn langfristig belasten, während andere als Schutzschild wirken.
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Langeweile auf Arbeit erhöht das Demenz-Risiko
Ähnlich wie Bizeps, Rücken oder Bauchmuskeln will auch das Gehirn regelmäßig trainiert werden. Wird es gefordert, baut es neue Verbindungen auf, um sich an neue Reize anzupassen und neue Fähigkeiten zu erlernen. Dieser Prozess ist entscheidend für das Lernen und die Verbesserung der geistigen Fitness und Gesundheit. In der Wissenschaft spricht man hierbei von der sogenannten kognitiven Reserve.
Berufe, die von ständigen Routinen geprägt sind und kaum Raum für Problemlösungen, Lernprozesse oder Abwechslung bieten, fordern das Gehirn jedoch auf Dauer zu wenig. Fehlt die geistige Stimulation über längere Zeiträume – etwa Jahre – hinweg, baut sich Studien zufolge weniger Schutzreserve gegen den natürlichen kognitiven Abbau im Alter auf. Dadurch erhöht sich das Risiko, später an einer Form von Demenz zu erkranken.
Stress und Schichtarbeit belasten das Hirn
Allerdings kann auch zu viel Beschäftigung schlecht für die spätere Hirngesundheit sein. Anhaltender Leistungs- und Termindruck führen etwa zu einer kontinuierlich erhöhten Ausschüttung von Stresshormonen wie Cortisol. Dieser Zustand kann über längere Zeit hinweg sensible Hirnareale – insbesondere den Hippocampus, der für das Gedächtnis entscheidend ist – belasten.
Und auch Schichtdienst kann langfristig einen Risikofaktor für Demenz darstellen. Unregelmäßige Arbeitszeiten und Nachtschichten bringen den natürlichen Biorhythmus durcheinander. Das ist besonders kritisch, da das Gehirn im Tiefschlaf sein eigenes Reinigungssystem (das glympathische System) aktiviert, um Stoffwechselabfälle und schädliche Proteinablagerungen abzutransportieren. Endgültig belegt ist die Gefahr, die von Schichtarbeit ausgehen könnte nicht – doch in Untersuchungen fand man eindeutige Hinweise darauf, dass es durch jahrelange Nachtschichten sowie die verbundenen Schlafdefizite häufiger zu kognitiven Einschränkungen kommt.
Unterschiedliche Risiken in Büro und Industriehalle
Neben Stress, Langeweile und dauerhafter Nachtschichtarbeit gelten noch zwei weitere Faktoren als Gift fürs Gehirn: Sitzen und ungesunde Arbeitsstoffe. Reine Schreibtischjobs ohne körperlichen Ausgleich begünstigen Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Bluthochdruck und Diabetes. Eine schlechte Gefäßgesundheit beeinträchtigt die Durchblutung des Gehirns und erhöht insbesondere das Risiko für vaskuläre Demenzformen. Sitzen ist, wie viele Büroangestellte auch bereits erkannt haben, das neue Rauchen.
Gerade in handwerklichen oder industriellen Berufen wird jedoch nur wenig gesessen – stattdessen kommt man jedoch häufiger in Kontakt mit bestimmten Schadstoffen. Zudem wirken sich auch schwere körperliche Belastungen – gerade, wenn öfter mal keine Schutzmaßnahmen wie Masken verwendet verwendet wurden – auf Gefäße und Nervenzellen aus. Tätigkeiten mit einem erhöhten Risiko für Kopfverletzungen (zum Beispiel im Profisport oder Baugewerbe) tragen ebenfalls zu einem höheren Demenzrisiko bei.
Schutz vor Risikofaktoren auf der Arbeit
Die gute Nachricht: Man kann aktiv gegen den geistigen Verfall vorbeugen. Abwechslung im Job, das Erlernen neuer Fähigkeiten und ein gutes Stressmanagement helfen dir dabei, die mentale Fitness zu erhalten. Ist der Arbeitsalltag eher bewegungsarm, kannst du ihn durch regelmäßigen Sport ergänzen. Achte zusätzlich auf ausreichend Schlaf und sorge regelmäßig für geistige Herausforderungen. Ein gehirngesundes Arbeitsumfeld ist eine wichtige Investition in die eigene Zukunft.
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