In deutschen Büros wird derzeit wieder kräftig gehustet und geschnieft und geniest was das Zeug hält. Für die Betroffenen am Nachbarschreibtisch stellt sich dabei in besonders schweren Fällen eine heikle Frage: Wie kann ich meinem erkälteten Kollegen schonend beibringen, dass er besser daheimgeblieben wäre? Schließlich geht es nicht nur um seine Gesundheit. Es geht auch um die der anderen im Büro. Wir zeigen dir, wie du den Spagat zwischen wohlmeinendem Ratschlag und Sorge vor Ansteckung einerseits und dem respektvollen Umgang mit Kollegen andererseits meistern kannst. Das wichtigste dabei: Wer das Gespräch sucht, sollte dabei stets Fingerspitzengefühl beweisen. Das gilt unabhängig davon, ob der Kollege nun tatsächlich krank ist oder nur unter einer Allergie leidet.
unternehmer.de zu Google hinzufügenMehr Infos und Tipps für ein angenehmes Klima im Büro findest du am Ende dieses Beitrags.
Die Formel für den richtigen Umgang mit kranken Kollegen
Bevor man den wunden Punkt anspricht, ist es sinnvoll, zunächst etwas Mitgefühl zu signalisieren, rät Empathie-Coachin Imme Vogelsang im Interview mit der „Badischen Zeitung“. Mit Sätzen wie „Du hustest ganz schön viel, bist du vielleicht erkältet? Das tut mir leid“, lässt sich ganz einfach Mitgefühl ausdrücken. Gleichzeitig weist man so darauf hin, dass es auch anderen bereits aufgefallen ist, dass der Kollege hustet. So bereitest du zunächst den Gesprächseinstieg vor. Erst dann sollte die eigentliche Botschaft, die du vermitteln willst, folgen.
Keine falsche Scheu: Auch Chefs gegenüber ist eine solche Offenheit völlig in Ordnung. Gerade für Vorgesetzte gilt, dass sie auf ihre Mitmenschen Rücksicht nehmen sollten. Kollegen, die aus übertriebenem Pflichtgefühl trotz Krankheit erscheinen, fühlen sich durch den Hinweis sogar möglicherweise befreit. Fällt es auch anderen auf, dann ist klar: Ich muss zum Arzt. Gelegentlich kann auch eine Prise Humor helfen, wobei hier Vorsicht geboten ist. Nicht jeder fasst Sarkasmus besonders gut auf, entsprechend solltest du darauf achten, nicht herablassend zu wirken.
Nicht jedes Husten ist gleich eine Erkältung
Hustet, schnieft und niest der Kollege, muss es sich allerdings nicht automatisch um einen grippalen Infekt handeln. Gerade zwischen Frühjahr und Herbst können auch Allergien für die typischen Symptome verantwortlich sein, betont Vogelsang. Auch hier empfiehlt sie, das Thema behutsam anzuschneiden: Wer den Kollegen vorsichtig auf sein häufiges Husten anspricht, gibt ihm damit die Gelegenheit, eine Allergie als Ursache zu nennen – und nimmt allen Beteiligten die Sorge vor einer Ansteckung.
Doch selbst Allergiker müssen sich an gewisse Regeln halten. Wer ständig ungebremst in den Raum hustet, darf durchaus freundlich darauf hingewiesen werden, besser in die Armbeuge zu niesen. Vogelsang rät außerdem, auf moderne Allergiemittel aufmerksam zu machen, die kaum noch müde machten. Mancher Betroffene sei für solche Tipps sogar dankbar.
Sagt man noch „Gesundheit“? Es kommt drauf an
Bleibt die Frage, ob man niesenden Kollegen ein „Gesundheit“ zurufen sollte. Laut Vogelsang ist das kniffliger als gedacht. Streng genommen gelte in der Etikette nämlich die Regel, dass Körpergeräusche grundsätzlich nicht kommentiert werden. Andererseits sei der Wunsch so weit verbreitet und stets freundlich gemeint, dass ein Schweigen fast schon unhöflich wirken könne.
Die Expertin empfiehlt deshalb eine situationsabhängige Lösung: Unter vier Augen sei ein herzliches „Gesundheit“ völlig angemessen – wer besonders stilsicher auftreten wolle, könne sogar augenzwinkernd ergänzen, dass man es eigentlich nicht sage, den Wunsch aber trotzdem ausspreche. Im Großraumbüro hingegen rät Vogelsang zur Zurückhaltung.
Mehr Tipps rund um den richtigen Umgang im Büro findest du hier:
- Streit im Büro: Warum der Schreibtisch-Zoff auch etwas Gutes hat
- Boomer, Gen X, Millennials, Gen Z: Wie profitieren die Generationen voneinander bei der Arbeit?
- Kopfhörer auf der Arbeit: Ist das erlaubt – und wenn ja, was sagen die Kollegen?
- Welt-Autismus-Tag: Teilhabe autistischer Mitarbeiter im Arbeitsalltag fördern
- Warum deine Firmenfeier deine Mitarbeiter einfach nur nervt




