Hohes Engagement im Beruf gilt gesellschaftlich als positiv und angesehen – und wird häufig belohnt. Nicht ohne Grund werden Begriffe wie „Fleiß“, „Ehrgeiz“ oder „Pflichtbewusstsein“ in der Regel positiv konnotiert. Doch es gibt auch eine Schattenseite: Und zwar dann, wenn gesunde Eifrigkeit in gesundheitsgefährdende Abhängigkeit kippt. Der Begriff „Workaholic“ wird oft salopp verwendet, beschreibt aber eine ernstzunehmende Verhaltenssucht, die auch unter den Begriffen „Ergomanie“ oder schlicht „Arbeitssucht“ bekannt ist. Dabei verlieren Betroffene die Kontrolle über das Ausmaß ihrer Arbeit und koppeln ihren Selbstwert fest an ihre Arbeitsleistung. Wann man als Workaholic gelten kann, welche Alarmsignale oftmals unter dem Radar fliegen und was bei einer Arbeitssucht hilft, erklären wir dir hier.

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Mehr aus der Arbeitspsychologie findest du am Ende dieses Beitrags.

Workaholismus ist vergleichbar mit klassischen Suchterkrankungen

Die Abgrenzung zwischen fleißiger Arbeit und krankhafter Arbeitssucht basiert aus Sicht der Wissenschaft nicht nur auf der bloßen gearbeiteten Stundenzahl, sondern auf dem zwanghaften Charakter des Verhaltens. Im zweidimensionalen Modell nach Schaufeli et. al. wird die Arbeitssucht meist anhand zweier Komponenten definiert:

  1. Exzessives Arbeiten: Der Betroffene arbeitet weit über das hinaus, was vertraglich, wirtschaftlich oder gesundheitlich erforderlich ist.
  2. Zwanghaftes Arbeiten: Der Betroffene wird von einem inneren Zwang getrieben und kann gedanklich auch dann nicht von der Arbeit ablassen, wenn er längst nicht mehr arbeitet.

Laut einer repräsentativen Untersuchung der Hans-Böckler-Stiftung arbeiten rund 10 Prozent der Erwerbstätigen in Deutschland suchthaft, während weitere 19 Prozent als exzessiv arbeitend gelten. Dennoch wird Arbeitssucht nicht als eigenständige Diagnose geführt – anders als die Spielsucht oder Computerspielstörung. Meist wird das Phänomen klinisch unter den „Störungen der Impulskontrolle“ oder den Verhaltenssüchten eingeordnet.

Wissenschaftler plädieren allerdings für eine formelle Anerkennung. Denn: Der Verlauf gleicht einer klassischen Abhängigkeitserkrankung. So werden klassische Suchtkriterien wie Kontrollverlust, Toleranzentwicklung (es müssen mehr Projekte, mehr lange Nächte werden) oder Entzugserscheinungen durchaus erfüllt.

Was macht die Arbeitssucht mit Psyche und Körper?

Eine Arbeitssucht kommt nicht aus heiterem Himmel: In der Regel kündigt sie sich durch bestimmte Symptome an, die teils auch von Außen zu beobachten sind. Dazu zählen unter anderem:

  • Ständige Erreichbarkeit & Heimlichkeit: Betroffene arbeiten heimlich weiter (z. B. im Bett oder auf der Toilette) oder täuschen Ausreden vor, um noch eine Aufgabe zu erledigen.
  • Unfähigkeit zu delegieren: Aufgaben werden aus Angst vor Qualitätsverlust oder Kontrollverlust behalten.
  • Sozialer Rückzug: Vernachlässigung von Partnerschaft, Kindern und Freunden zugunsten der Arbeit.
  • Multitasking-Zwang: Ständiges paralleles Bearbeiten von Aufgaben ohne Fokus auf Pausen.

Auch psychische Symptome wie mentale Abwesenheit, Schuldgefühle bei Untätigkeit oder Aggressivität als Antwort auf Unterbrechungen bei der Arbeit spielen eine wichtige Rolle – zu viel Arbeit kann buchstäblich die Persönlichkeit verändern. Auf Dauer spielt dabei auch der Körper nicht lange mit. Es kommt zu Ein- und Durchschlafproblemen, körperlicher Erschöpfung sowie einem erhöhten Herz-Kreislauf-Risiko, wie Studien belegen.

Welche Maßnahmen gegen die Arbeitssucht helfen

Die Phrase „Selbsterkenntnis ist der erste Schritt zur Besserung“ dürfte wohl so ziemlich jeder kennen – obwohl sie meist eher etwas hämisch verwendet wird, stimmt es in diesem Fall. Der erste Schritt, den Arbeitssüchtige gehen müssen, ist die Erkenntnis, dass die Exzessivität ein gesundheitsgefährdendes Ausweichverhalten ist.

Erst dann können konkrete Maßnahmen getroffen werden: Feste digitale Feierabendszeiten einführen (bspw. Abschalten des Diensthandys nach 18 Uhr), Arbeit- und Erholungsraum physisch Trennen und die Pausen zur Entspannung nutzen, etwa mithilfe von Entspannungstechniken (z.B. progressive Muskelentspannung). Auch das Delegieren von Verantwortung kann helfen, um den Perfektionismus zu unterbrechen. Auch professionelle Unterstützung kann für viele Menschen hilfreich sein, etwa in einer Verhaltenstherapie oder mittels Selbsthilfegruppen.

Präventivmaßnahmen verhindern das Schlimmste

Bestimmte Maßnahmen helfen präventiv gegen das Abgleiten in die Arbeitssucht. Dazu zählt etwa die Entkopplung des Selbstwertgefühls von der reinen Berufsrolle. Auch der Aufbau von Lebensbereichen abseits der Arbeit wie im Sport, in Ehrenämtern oder in der Familie kann einer negativen Entwicklung des Arbeitsverhaltens entgegenwirken.

Für Führungskräfte ist es wichtig, mit gutem Vorbild voranzugehen und selbst Pausen von der Arbeit zu nehmen. E-Mails um späte Uhrzeiten oder am Wochenende sollten gemieden werden, während sich eine Dauerüberlastung der Arbeitnehmer durch eine realistische Ressourcenplanung verhindern lässt.

Frühzeitige Erkennung und konsequente Prävention auf individueller wie betrieblicher Ebene sind essenziell, um aus dem Teufelskreis aus Zwang und Erschöpfung zu entkommen.

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Felix Schneider

Felix Schneider ist seit November 2024 bei Unternehmer.de. Nach seinem Studium der Buch- und Medienwirtschaft in Leipzig und einem ersten Exkurs in den Onlinejournalismus beim PRINZ-Magazin entschied er sich, in der Messestadt zu bleiben. Heute ist er SEO & Autor für Unternehmer.de, News.de und Qiez.de. Hier schreibt er vor allem über neue Technologien wie KI und gibt Insights in die Perspektiven der Gen Z. Auch auf X und LinkedIn zu finden.

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