Die Koalitionspartner CDU und SPD sind sich bei der telefonischen Krankschreibung weiterhin uneinig. Auf ihrem Parteitag am vergangenen Samstag beschloss die CDU, die Möglichkeit der Telefon-AU abzuschaffen. Auch Bundeskanzler Friedrich Merz hatte die Regelung bereits zuvor wegen des aus seiner Sicht zu hohen Krankenstands in Deutschland kritisiert. Der Parlamentarische Geschäftsführer der SPD-Bundestagsfraktion, Dirk Wiese, hält dagegen an der bestehenden Praxis fest. Der SPD-Politiker verweist auf den Koalitionsvertrag, der lediglich ein Vorgehen gegen missbräuchliche Online-Krankschreibungen vorsehe. Kranke Menschen dürften nicht pauschal verdächtigt werden.
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CDU sieht zu niedrige Hürden für Krankmeldungen
Die Christdemokraten fassten ihren Beschluss auf dem Parteitag in Stuttgart. In der Antragsbegründung argumentierte die Partei, dass eine leicht zugängliche Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung die sogenannte „Bettkantenentscheidung“ beeinflusse – je unkomplizierter der Prozess, desto wahrscheinlicher falle die Wahl zugunsten einer Krankmeldung aus. Die Mittelstands- und Wirtschaftsunion hatte den entsprechenden Antrag eingebracht.
Gesundheitsministerin Nina Warken kündigte laut „Deutsches Ärzteblatt“ an, die geltenden Bestimmungen zu prüfen. Nach aktuellem Stand können Patienten telefonisch krankgeschrieben werden, sofern sie der Praxis bekannt sind und nur leichte Beschwerden aufweisen. Die Regelung gilt für maximal fünf Kalendertage. Wer eine Folgebescheinigung benötigt, muss persönlich beim Arzt erscheinen.
SPD pocht auf Vereinbarungen im Koalitionsvertrag
Wiese stellte klar, dass die Koalitionspartner sich im Regierungsabkommen auf ein gezieltes Vorgehen gegen missbräuchliche Online-Krankschreibungen verständigt hätten. „Darauf sollten wir uns als Koalition nun konzentrieren, anstatt sinnvolle Regeln infrage zu stellen“, betonte der SPD-Politiker laut „Bild„. Erkrankte Arbeitnehmer sollten nicht unter Generalverdacht gestellt werden, nur weil sie eine unkomplizierte Möglichkeit zur Krankmeldung nutzen, so Wiese.
Aus Sicht der Sozialdemokraten bietet die telefonische Krankschreibung handfeste Vorteile für das Gesundheitssystem. Arztpraxen würden spürbar entlastet, wenn Patienten mit leichten Erkältungssymptomen nicht persönlich erscheinen müssten. Gleichzeitig sinke das Risiko, dass sich weitere Menschen in überfüllten Wartezimmern anstecken.
Krankenkassen sehen keinen Beleg für Missbrauch
Auch große Krankenversicherungen widersprechen der Argumentation der CDU deutlich. Laut einer Umfrage des „Deutschen Ärzteblatts“ unter sächsischen Kassen liegt der Anteil telefonischer Krankschreibungen lediglich zwischen 0,8 und 1,2 Prozent aller Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen. So erklärte die AOK PLUS, ihre Daten lieferten keinerlei Hinweise darauf, dass die Telefon-AU den Krankenstand erhöht habe. Auch die Barmer sieht keinen systematischen Missbrauch. „Unsere Auswertungen zeigen keinerlei Hinweise darauf, dass die telefonische Krankschreibung oder die Krankschreibung per Videosprechstunde systematisch missbraucht wird“, so Landesgeschäftsführerin Claudia Beutmann. Die DAK-Gesundheit führt den gestiegenen Krankenstand vielmehr auf die elektronische AU-Erfassung seit 2022 zurück. Seitdem werden Krankmeldungen digital an die Kassen übermittelt, wodurch mehr Fälle statistisch erfasst werden als früher.
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Danke für einen überaus gelungenen Beitrag, vor allem kommt sehr gut rüber, dass Optimierungen für LLMs/KI Suchen eben nicht losgelöst…
Stark. Ich hab vor Kurzem angefangen, mich mit dem Thema Schilddrüse zu beschäftigen. Wusste nicht, dass ein erhöhter TSH-Wert so…
Der Punkt mit den mindestens 60 Prozent gewerblicher Nutzung, damit ein Wohnhaus als Gewerbeimmobilie zählt, war mir so nicht klar.…