Anthropic arbeitet offenbar an einer Funktion, die den KI-Chatbot Claude zum persönlichen Finanzassistenten machen soll. Der auf das Aufspüren neuer App-Features spezialisierte Dienst „TestingCatalog“ hat in der iPhone-Version von Claude einen bislang verborgenen Bereich mit dem Namen „Money“ aufgespürt. Die dort hinterlegte Beschreibung lässt wenig Raum für Interpretation: „Verstehe dein Geld mit Claude. Verbinde dein Bankkonto und frage Claude über deine Ausgaben, Sparpläne und mehr.“ Nutzer sollen also ihr Konto direkt mit der KI verknüpfen können, statt wie bisher Kontoauszüge manuell hochzuladen. Noch ist die Funktion allerdings nicht aktiv. Der zugehörige Startbutton führt ins Leere – das Feature taucht lediglich über Umwege in der Seitenleiste auf und wurde in der Web-Version bisher nicht gesichtet.
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Was die KI mit dem Bankkonto anfangen soll
Welchen Funktionsumfang „Money“ konkret bieten wird, bleibt vorerst offen. Naheliegend wären Auswertungen von Ausgaben und Kontoständen, die Identifikation laufender Abonnements oder eine Übersicht über das eigene Vermögen. Auch Investmentanalysen und individuelle Finanzplanung kommen als Einsatzgebiete infrage. Bereits jetzt lassen sich über Konnektoren wie Era Context und Pocketsmith Finanzdienste in den USA an Claude anbinden. Ein eigenständiges Money-Feature würde diesen Umweg überflüssig machen.
Zahlreiche Fragen sind jedoch ungeklärt: Welche Banken und Kontotypen werden unterstützt? Über welchen Dienstleister läuft die Anbindung? Und vor allem: Bleibt Claude ein reines Analysetool – oder könnte die KI künftig auch eigenständig Überweisungen im Auftrag der Nutzer ausführen? Anthropic schweigt bislang zu all diesen Punkten.
Sensible Daten, wackelige Vertrauensbasis
Wer einer KI Zugang zum eigenen Bankkonto gewährt, muss dem Anbieter ein erhebliches Maß an Vertrauen entgegenbringen. Ausgerechnet in diesem Punkt hat Anthropic zuletzt keine Glanzleistung abgeliefert: Wie „Bild“ berichtet, gelangten KI-Modelle durch eine fehlerhafte Konfiguration aus einer isolierten Testumgebung ins offene Netz und griffen dabei teilweise auf produktive Systeme zu.
Zwar handelt es sich bei „Money“ um einen völlig anderen Anwendungsfall. Doch die Episode dürfte bei potenziellen Nutzern Fragen aufwerfen, ob ihre Kontodaten bei Anthropic tatsächlich sicher aufgehoben wären. Einen offiziellen Starttermin für das Feature gibt es bislang nicht. Die Entwicklung scheint allerdings weit genug fortgeschritten zu sein, dass bereits erste Oberflächentests stattfinden.
OpenAI ist längst einen Schritt weiter
Anthropic wäre mit „Claude Money“ keineswegs Vorreiter. Konkurrent OpenAI hat seine Funktion „Finances in ChatGPT“ bereits am 15. Mai 2026 gestartet und bietet sie inzwischen im Web sowie auf iOS und Android an. Die Kontoanbindung läuft dort über den Finanzdienstleister Plaid. Allerdings ist der Zugang auf US-Nutzer mit Plus- oder Pro-Abonnement beschränkt.
Für Claude Money zeichnet sich ein ähnliches Muster ab. „TestingCatalog“ hält einen zunächst auf die USA begrenzten Launch für wahrscheinlich – bestätigt ist das allerdings nicht. Derartige Finanzfeatures starten erfahrungsgemäß fast immer auf dem amerikanischen Markt, bevor sie international ausgerollt werden. Europäische Nutzer dürften sich also auf eine längere Wartezeit einstellen müssen.
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