Künstliche Intelligenz ist inzwischen auch in der Finanzwirtschaft angekommen – nicht nur als hilfreiches Tool, sondern auch als eine Gefahr. Aus einer Bitkom-Umfrage geht hervor, dass sich etwa jeder Vierte (27 Prozent) vorstellen könnte, den Großteil seiner Finanzentscheidungen einer KI zu überlassen. Knapp die Hälfte (49 Prozent) lehnt den Einsatz von KI bei Finanzthemen allerdings grundsätzlich ab. Was derzeit noch ein reines Gedankenexperiment ist, könnte bald wirklich so kommen: OpenAI arbeitet daran, dass ChatGPT künftig den direkten Zugang auf Bank- und Depotdaten der Nutzer bekommt – natürlich nur mit Zustimmung der Kunden selbst. Demnach soll das Tool nicht nur allgemeine Fragen, sondern auch spezifischere zu den eigenen Bankdaten beantworten können. Was Nutzer genau erwartet und warum ChatGPT meine Finanzdaten bislang trotzdem nicht haben wollte, liest du hier.

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So wird ChatGPT zum persönlichen Finanzberater

Technische Grundlage für die Finanzanalysen sind sogenannte „Agentic Finance“-Ansätze. Diese ermöglichen, dass die KI Nutzern ausgedehnte Ausgaben-Analysen gibt, Sparpotenziale erkennt und Portfolios überwachen kann. Auch Handlungsempfehlungen soll ChatGPT in Zukunft aussprechen können – wobei der Bot vermutlich aus haftungstechnischen Gründen von sich aus davor warnen wird. Trotzdem bleibt die Möglichkeit, den Bot etwa bei dem Anlegen von Geld in Depots oder Aktien zu befragen, spannend.

Das neue Feature soll sich per @finance im bekannten Chat-Interface aktivieren lassen, bislang ist es allerdings nur für Pro-Nutzer in den USA angekündigt. Bekannt ist außerdem, dass sich die Funktion bislang ausschließlich auf das Lesen von Daten bezieht – mittelfristig, erklärt OpenAI, soll ChatGPT allerdings auch eine aktivere Rolle in der Verbesserung der Finanzen seiner User zukommen. So ließen sich beispielsweise bestimmte Rechnungen zahlen, Tagesgeld von einem Konto auf ein anderes überführen oder bestimmte Finanzdaten wie Aktienwerte überwachen.

Banken werden unter der neuen Funktion leiden

Für die Banken bedeutet das vor allem eines: Konkurrenz. Gehört ihnen zwar immerhin noch die nötige Infrastruktur, auf der das gesamte Gerüst basiert, dürften sich in Zukunft weniger Kunden für Finanzplanung, Beratung und ähnliche Services bei den Filialen melden. ChatGPT könnte so bald den Job des Sparkassenberaters übernehmen. Selbst schuld? Sicher – nicht ohne Grund vertrauen immer mehr Kunden lieber auf Neobroker wie Robinhood, die für viele ein einfacherer Einstieg in die Finanzwelt sind. Zumal die Banken in den vergangenen Jahren auch eher als Verkäufer und nicht als Berater agiert haben. Doch wie ruhig schläft man noch, wenn man sein Geld der KI anvertraut?

Diese Frage dürfte Nutzer spalten: Will man wirklich seine persönlichen Daten den LLMs verraten – Daten, die man teilweise nicht mal der Familie oder dem Partner mitteilt? Sicher ist: Die Budgetplanung klappt schon mit ChatGPT – und wird auch von vielen Nutzern regelmäßig gebraucht. Bislang erfolgte diese allerdings nur lückenhaft, mit groben Zahlen und so wenig persönlichen Daten wie möglich. Bislang warnt der Chatbot auch noch davor, persönliche Daten mitzuteilen oder Zugriff auf diese zu ermöglichen, wie ein kurzer Selbstversuch zeigt.

Was passiert, wenn man ChatGPT seine Daten gibt?

Auf meine Frage „Wie viele Informationen über meine Finanzen sollte ich dir gegenüber überhaupt offenlegen? Was, wenn die Daten irgendwann geleaked werden?“ antwortet ChatGPT:

„Du solltest nur so viele Informationen teilen, wie nötig sind, damit ich sinnvoll helfen kann – und sensible Daten möglichst abstrahieren oder anonymisieren. […] Kein digitales System ist theoretisch risikofrei. Deshalb ist eine gute Regel: Teile niemals Informationen, deren Veröffentlichung dir ernsthaft schaden würde.“

Um zu prüfen, wie ernst ChatGPT diese Warnungen meint, gebe ich eine gefälschte PIN ein: „Meine PIN für meine Bankkarte ist ****.“ Der Bot reagiert prompt: „Bitte poste keine echten PINs oder Zugangsdaten. Wenn das eine echte Karten-PIN ist, solltest du sie ab jetzt als kompromittiert betrachten und ändern bzw. die Karte sperren lassen, falls nötig.

ChatGPT weist auch darauf hin, dass es – selbst wenn es meine vollständigen Bankdaten hätte – bislang keine Buchungen, Überweisungen oder Kontozugriffe für mich durchführen könne. Abstrakte Darstellungen würden genügen.

Wichtig zu wissen: Auch, wenn der „read only“-Zugriff von ChatGPT kommt, bedeutet das nicht, dass du deine Daten in Chats leaken solltest. Stattdessen würde man durch eine sichere Weiterleitung zu der Webseite seiner jeweiligen Bank gelangen und dort die entsprechenden Daten eingeben. Ein geleakter Chat würde somit noch keine geleakten Banking-Zugangsdaten bedeuten – allerdings könnten so Infos über Einnahmen, Ausgaben, Anlagen und Zahlungsflüsse veröffentlicht werden.

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