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Wer gerade gegründet hat, sollte sich besser keinen Illusionen hingeben, in wenigen Wochen ein gemachter Mann oder eine gemachte Frau zu sein. Gerade das kann viele Startups auf eine sehr harte Probe stellen. Denn während Gründer sich dort meist deutlich mehr als acht Stunden täglich verausgaben, kommt auf dem privaten Geschäftsführerkonto häufig nicht einmal das Existenzminimum an.

Die wichtigste Regel: Erst gründen, wenn man es sich leisten kann

Dieser Punkt mag nach der Gründung nicht viel nützen – vorher kann er jedoch sehr wirksam schützen. Einfach gesprochen: Wer gründen möchte, sollte zuvor sicherstellen, möglichst ohne einen einzigen Cent aus der Firmenkasse dennoch privat existieren zu können – wenigstens für einige Monate. Das heißt:

Zusammenrechnen

Zusammenrechnen, was für ein komfortables Leben und eines am persönlichen Existenzminimum (Miete, Kreditraten, Nahrung, Heizung etc.) monatlich erforderlich ist.

Geld zusammentragen

Dieses Geld durch Sparsamkeit, Mithilfe des Partners, Nebenjobs und Ähnliches zusammentragen

Fördermittel prüfen

Prüfen, ob man persönlich für Fördermittel infrage kommt – insbesondere der Gründungszuschuss der Arbeitsagentur, Programme von Kammern und Verbänden sowie Gründerstipendien.

Wichtig: Ebenfalls (am besten) im Vorfeld sollten Gründer sich ein passendes Mindset zulegen. Das betrifft nicht nur allgemeine private Sparsamkeit, sondern ebenso eine realistische Erwartungshaltung. Die wenigsten Startups werfen in den ersten Jahren so viel ab, dass man nur annähernd von einem „Luxusleben als CEO“ sprechen könnte.

Klotzen statt kleckern

Ein Startup kann eine hervorragende Prognose haben und gute Anfangserfolge dazu. Dennoch kann es für den Gründer schwierig werden, seine private Existenz darüber zu bestreiten – wenigstens für einige Monate. Bevor man jedoch sämtliche privaten Reserven aufbraucht, sollte zuvor die Frage im Raum stehen, ob es eine bessere Alternative wäre, der Firma einen zusätzlichen Boost zu verpassen – auf dass sie rascher in eine Zone gelangt, in der sie ihrem Gründer mehr Geld abwirft. Stichwort Kredit.

Einen Geschäftskredit schnell finden, ist dank volldigitaler Vorgehensweise kein Problem. Je nach vorzeigbaren Ergebnissen ist er sogar für Startups zu erhalten. Und: Im Gegensatz zu einem Privatkredit, den der Gründer nur verbrauchen würde, kann ein Firmendarlehen helfen, das Unternehmen grundsätzlich rentabler zu machen:

  • Kauf von mehr/besserer Infrastruktur oder Einstellung von Mitarbeitern.
  • Verbessertes Marketing, Vertrieb oder verkürzte Produktentwicklung.
  • Weniger Arbeitslast für den Gründer – daher notfalls sogar mehr Freiraum, um anderweitig Geld zu erwirtschaften.

Nebenbei sind Firmenkredite steuerlich absetzbar. Werden sie außerdem sorgfältig bedient, verbessert sich die Bonität des jungen Unternehmens. Kein Freibrief, so viel Geld wie möglich zu leihen. Aber ein Anlass, um sich zu fragen, ob eine derartige Finanzspritze eine passende Möglichkeit ist, zu klotzen statt zu kleckern.

Private Kredite nur mit Vorsicht nutzen – aber gern zur Umschuldung

Ein privater Kredit kann zwar finanzielle Engpässe überbrücken. Aber danach muss er zurückgezahlt werden. Wirft das Unternehmen dann immer noch nicht genügend ab, wird es noch schwieriger. Worüber Gründer aber definitiv nachdenken sollten – ebenfalls mitunter schon vor der Eröffnung – sind bereits bestehende Kredite.

Gibt es ein oder mehrere laufende Darlehen, die irgendwann nach Herbst 2022 abgeschlossen wurden? Dann waren diese Kredite durch die damals steigenden Leitzinsen der Europäischen Zentralbank bestimmt.

Da dieser Zinssatz heute (August 2025) erheblich gesunken ist, sind Kredite, unter ansonsten gleichen Voraussetzungen, in aller Regel deutlich günstiger zu erhalten. Definitiv eine Chance, um seine private Ausgabenlast zu reduzieren:

  1. Die zuständigen Banken kontaktieren, um dort die aktuelle Restschuld zu erfragen, unter welchen Voraussetzungen eine vorfällige Rückzahlung möglich ist und ob eine Vorfälligkeitsentschädigung anfällt.
  2. Bei mehreren Krediten diese Summen zusammenrechnen.
  3. Mit der Gesamt-Ablösesumme nach einem neuen Kredit suchen – entweder zu generell besseren Konditionen (= niedrigere Zinsen) oder zumindest mit weniger belastenden Raten.

Gerade angesichts der gesunkenen Leitzinsen (zuletzt 2,15 % im Hauptrefinanzierungsgeschäft) kann der Unterschied deutlich ausfallen – egal ob nur ein Kredit oder mehrere Darlehen abgelöst werden.

Die privaten Ausgaben (nochmals) verringern

Wenn die Firma noch nicht genügend einbringt, werden die meisten Gründer im Privaten nach Wegen suchen, um ihre Ausgaben zu reduzieren. Die Herausforderung daran ist meist praktischer Natur: Wer die meisten wachen Tagesstunden für sein Unternehmen arbeitet, hat kaum Zeit, auch noch seine privaten Finanzen gründlich auf die Probe zu stellen. Daher an dieser Stelle einige wichtige Punkte, um sie abzuarbeiten:

Verträge

  • Unnötige Verträge und Abonnements kündigen (Streaming usw.)
  • Versicherungen und ähnliche Verträge prüfen, stillsetzen oder gänzlich auflösen – falls es kostenneutral möglich ist.
  • Bei allen Verträgen prüfen, ob sie sich durch einen Anbieterwechsel vergünstigen lassen.

Wohnen & Mobilität

  • Günstigeren Wohnraum finden oder untervermieten – darauf hat jeder Mieter einen Anspruch.
  • Private Mobilität durchrechnen und günstigere Alternativen prüfen.
  • Ggf. Wohngemeinschaft eröffnen oder, falls möglich, zu Freunden ziehen.

Alltägliche Einsparungen

  • Umfassend sparsam einkaufen, alles selbst kochen und Meal Prep sowie Resteverwertung betreiben.
  • Nicht mehr benötigte Dinge verkaufen.
  • Falls es sich finanziell rentiert, private Strom- und Wasserverbräuche in das Unternehmen verlagern (Duschen, Wäsche etc.)

Wie in der Betriebswirtschaft gilt auch hierbei: Jeder Cent zählt, da er sich zu größeren Beträgen aufsummiert.

Einnahmen auf andere Weisen steigern

Viele Gründer haben neben dem Arbeiten gerade noch genügend Freizeit zum Schlafen. Wenn es allerdings um eine „Durststrecke“ geht, bevor die Einnahmen gute Werte erreichen, kann die einzige Option darin bestehen, dennoch irgendwie mehr Geld zu erwirtschaften. Einige Denkansätze:

  • Wissensweitergabe: Das eigene Wissen in Form von Coachings oder Workshops weitergeben.
  • Nebenprodukte: Nebenprodukte erschaffen, etwa Artikel oder E-Books.
  • Nebentätigkeiten: Projektbasierte Nebentätigkeiten als Freelancer oder beim alten Arbeitgeber ausüben.
  • Wettbewerbe: An Startup-Wettbewerben und ähnlichen Contests teilnehmen, wenn es dort Preisgelder gibt.

Mitunter können vielleicht Praktikanten und Trainees dabei helfen, das für diese Tätigkeiten nötige Zeitbudget freizuräumen.

Fazit: Wenn das CEO-Gehalt nicht reicht, sollten auch harte Maßnahmen kein Tabu sein

Jeder Gründer muss zumindest von seiner Hände Arbeit leben können. In der Praxis kann das jedoch, wenigstens in den ersten Monaten, kaum mehr als ein Leitgedanke sein. Die beste Absicherung dagegen besteht darin, sich vor der Selbstständigkeit ein möglichst dickes Finanzpolster zu erschaffen – und die Hilfe von Freunden und Familie nicht zu verschmähen.

Doch selbst wenn diese Reserve allmählich geringer wird, lässt sich noch vieles machen, um sie zu strecken und zu unterfüttern. Wichtig ist nur, nicht den Mut zu verlieren: Mit genügend Energie wird das Startup wachsen und höchstwahrscheinlich mehr als genug abwerfen, um die Härten der Vergangenheit vergessen zu können.

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