Steuer-Apps: Die Zukunft der digitalen Steuererklärung?

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Steuer-Apps: Die Zukunft der digitalen Steuererklärung?
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Die jährliche Steuererklärung auf dem Papier auszufüllen und per Post zu versenden, ist für VerbraucherInnen umständlich. Glücklicherweise macht sich die Digitalisierung auch in der Steuerberatung bemerkbar. Zahlreiche Anbieter leisten mittlerweile einen komplett digitalen Service, der nachweislich gerne genutzt wird: Im Jahr 2019 gaben 23 Mio. Menschen in Deutschland ihre Steuererklärung bereits in digitaler Form ab. 2020 wurden 28 Mio. Exemplare elektronisch übermittelt – Tendenz steigend.

Die elektronische Übermittlung hat sich inzwischen etabliert, jedoch gibt es verschiedene Wege diese Aufgabe anzugehen. Wer keine Software kaufen und auf dem heimischen PC installieren möchte, kann auf eine der zahlreichen, teilweise sogar kostenlosen Steuer-Apps zurückgreifen, die sich seit knapp drei Jahren etablieren. Durch den Einsatz smarter Technologien kann die Steuererklärung per App digital mit minimalem Aufwand abgeschlossen werden. Auch in puncto Sicherheit überzeugen die Steuer-Apps: DSGVO-konforme Datenverarbeitung, verschlüsselte Datenübertragung und geprüfte Nutzungsbedingungen erlauben eine sichere Nutzung.

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Doch mit welchen innovativen Technologien digitalisieren die Steuer-Apps bereits das klassische Steuerberatungs-Geschäftsmodell und wo besteht noch Potenzial für zukünftige Optimierung?

Verifizierung der Identität

Eine Technologie, welche die Nutzung von Steuer-Apps erst ermöglicht, ist die Online-Identifikation. Während für die Online-Abgabe über ELSTER eine Zertifikatsdatei nötig ist und die Aktivierungsdaten umständlich per Mail und Post zugestellt werden, bieten die Steuer-Apps innovative Verifizierungsverfahren. Im Videogespräch mit persönlichen BeraterInnen oder per Foto des Ausweises kann die eigene Identität im Fernverfahren und innerhalb weniger Minuten nachgewiesen werden.

Digitale Übermittlung von Belegen

Optical Character Recognition (kurz OCR) oder auch automatisierte Texterkennung ist eine weit verbreitete Technologie im Bereich der Steuerberatung. Mithilfe einer mehrschrittigen Analyse erkennt die OCR-Software einzelne geschriebene Buchstaben und setzt diese zu Wörtern und anschließend zu logischen Sätzen zusammen. Per Scan oder Foto digitalisierte Textformate können elektronisch durchsucht sowie kompakter gespeichert werden. Belege wie Rechnungen und Fahrkarten oder der Ausdruck der Lohnsteuerbescheinigung können so bequem digitalisiert und eingereicht werden. Besonders für GeschäftskundInnen, die eine hohe Anzahl an Lohnsteuerbescheinigungen per App einreichen möchten, bringt die automatisierte Texterkennung einen erheblichen Zeitvorteil und erleichtert die Verarbeitung.

Automatisierung von Routineaufgaben mittels Künstlicher Intelligenz

Einige Apps gehen mit ihren technischen Möglichkeiten noch einen Schritt weiter. Mittels Künstlicher Intelligenz (KI) können Prozesse automatisiert und große Datenmengen effizient verarbeitet werden. Besonders das Machine Learning, ein Teilgebiet der KI, eignet sich für den Einsatz in der Steuerberatung. Große Datenmengen, die zum Anlernen einer Künstlichen Intelligenz benötigt werden, damit die Software anschließend ohne menschlichen Einfluss selbstständig weiterlernen kann, sind vor allem in diesem Tätigkeitsfeld vorhanden. Die KI-Softwares sind der Lage, Muster zu erkennen, sich diese zu merken und später wieder zu nutzen. Je mehr Daten dabei zur Verfügung stehen, desto präziser können die Programme arbeiten. KIs werden bisher vorrangig im Bereich der automatisierten Datenerfassung genutzt, können aber auch bei der Berechnung der Umsatzsteuer eingesetzt werden.

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Doch die Nutzung von Künstlicher Intelligenz in der Steuerberatung hat auch Grenzen. Für das automatische Verbuchen von Geschäftsvorfällen ist eine hohe Anzahl an Beispieldaten nötig. In der Regel können daher nur Standardbuchungen, die in einheitlicher Struktur und großer Zahl auftreten, verarbeitet werden.

Persönliche Beratung weiterhin relevant

In der Zukunft bieten die genannten Technologien das Potenzial, SteuerberaterInnen zu entlasten. Besonders Routinearbeiten können automatisiert werden. Das wiederum trägt zu höherer Transparenz und Reduktion von Fehlern bei der Bearbeit­ung bei.            

Die persönliche Steuerberatung ist damit aber nicht hinfällig. Die meisten Apps bieten besonders bei komplexen Sachverhalten die individuelle Bewertung durch SteuerberaterInnen an. Dieser digitale, aber persönliche Service wird gerne genutzt, weshalb sich einige Steuer-Apps auf die Online-Beratung spezialisiert haben. VerbraucherInnen möchten heutzutage kurzfristig und digital bedient werden, wenn sie Hilfe benötigen.

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Maciej Szewczyk
Maciej Szewczyk ist Mit-Gründer und CTO der Taxando GmbH. Der ehemalige Berater und leitende Entwickler im Bereich Business Intelligence gründete 2017 gemeinsam mit Maciej Wawrzyniak das Fintech Taxando, das Nutzern mit einer Steuer-App die digitale Erstellung von Steuererklärungen ermöglicht. Bildrechte: Taxando

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