6 Alternativen zum Bankkredit für Unternehmen

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6 Alternativen zum Bankkredit für Unternehmen
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Die Finanzierung von Unternehmen ist in den letzten Jahren durch gestiegene Anforderungen in den Bonitäts- und Liquiditätsprüfungen deutlich schwieriger geworden. Bonitätsstarke Unternehmen haben derzeit -gemeint ist die Zeit vor Corona- keine größeren Schwierigkeiten, einen Firmenkredit von Banken zu erhalten. Aufgrund der Zinsen, die Banken derzeit für Einlagen bei der EZB bezahlen müssen, sind Banken aktuell durchaus für eine Kreditvergabe offen. 

Je kleiner die Firma desto schwieriger die Kreditaufnahme

Dem deutschen Mittelstand wird der Zugang zu Fremdkapital aufgrund fehlender Sicherheiten nach wie vor nicht gerade leicht gemacht. Bei jungen Firmen einer Mitarbeiterzahl von bis zu 100 Beschäftigten bleiben die Kreditinstitute weiterhin zurückhaltend bei der Kreditvergabe. Rund 10 Prozent der Unternehmen erhalten aktuell gar keinen Kredit von der Bank. Zudem hinterlassen die anhaltende Niedrigzinspolitik der EZB und die daraus resultierenden Ertragsrückgänge – bei gleichzeitig gestiegenen Eigenkapitalanforderungen – bleibende Spuren bei den Banken. So schätzen die Finanzinstitute ihre Geschäftsentwicklung – bedingt durch die Corona Krise – in den kommenden Jahren sogar schlechter ein als beim Ausbruch der Finanzkrise 2008. Der Spielraum für die Vergabe von Unternehmenskrediten dürfte also deutlich enger werden.

Im Hinblick auf die weiterhin restriktive Kreditvergabe der Banken sind kleine und mittlere Unternehmen dazu angehalten, ihre Finanzierungsstrategie zu überdenken. Statt seinen Kapitalbedarf einzig über Bankkredite zu decken, sieht die Finanzierungsstruktur kleinerer Unternehmen zukünftig sicherlich deutlich diversifizierter aus. Doch welche Möglichkeiten der Finanzierung gibt es für kleine Unternehmen abgesehen vom klassischen Bankkredit? Hier einmal die momentan erfolgversprechendsten Alternativen:

1. Kontokorrentkredit

Als kurzfristige Maßnahme, sich Geld zu leihen, kommt für kleine und mittelständische Unternehmen ein Kontokorrentkredit in Betracht, also ein Kreditrahmen, der von der Bank auf dem Firmenkonto eingerichtet wird. Für größere Summen und/oder längere Zeiträume eignet sich der Kontokorrentkredit jedoch nicht, da die Kosten vergleichsweise hoch sind. Zinsen werden hier taggleich auf die Inanspruchnahme berechnet.

 2. Factoring

Bei kurzfristigem Kapitalbedarf auf der einen und vielen offenen KundInnenrechnungen auf der anderen Seite können UnternehmerInnen ihre Forderungen an eine so genannte Factoring-Gesellschaft verkaufen.

Diese übernimmt hier auch das Inkasso- und Mahnwesen und trägt das Ausfallrisiko. Das Unternehmen ist also voll abgesichert.

Beim Factoring werden die Außenstände sofort liquidiert, was den UnternehmerInnen direkt finanziellen Spielraum für nötige Investitionen oder Betriebsmittel verschafft. Insbesondere für kleine Firmen, bei denen sich ein Zahlungsverzug oder -ausfall großer KundInnen besonders schwerwiegend auswirken würde, ist das Factoring eine gute Möglichkeit, die Liquidität stetig aufrecht zu erhalten.

3. Leasing

Geht es um die Anschaffung neuer Maschinen, Industrieanlagen oder Fahrzeuge, bietet Leasing eine gute Alternative zum Bankkredit. Wie auch beim Bankkredit hat das Unternehmen regelmäßige monatliche Raten zu leisten, allerdings bleibt das geleaste Wirtschaftsgut zunächst Eigentum der Leasinggeberin bzw. des Leasinggebers. Am Ende der Laufzeit hat das Unternehmen die Möglichkeit, das Wirtschaftsgut zum Restbetrag zu erwerben. Die Leasingkosten können als Betriebskosten von der Steuer voll abgesetzt werden.

4. Beteiligungskapital

Durch die Beteiligung einer Investorin bzw. eines Investors oder einer Beteiligungsgesellschaft an einem Unternehmen kann das Eigenkapital aufgestockt werden.

  • Bei einer offenen Beteiligung werden die GeldgeberInnen in den Gesellschafterkreis aufgenommen und erwerben mit ihrem Kapital Unternehmensanteile. Sie werden somit am Erfolg des Unternehmens beteiligt und haben auch ein Mitspracherecht.
  • Bei der stillen Beteiligung erhalten die InvestorInnen im Gegenzug für ihr Kapital kein Mitspracherecht, sondern lediglich eine Gewinnbeteiligung.
  • Eine besondere Form der Unternehmensbeteiligung ist die MitarbeiterInnbeteiligung. Durch das zusätzliche Eigenkapital aus den eigenen Reihen verbessert sich für das Unternehmen gleichzeitig auch die Chance auf Fremdkapital von der Bank.

 5. Crowdfunding und Crowdlending

Über so genannte Crowdfunding-Plattformen wie zum Beispiel kickstarter.com oder anderen können kleine und mittelständische Unternehmen Fremdkapital erhalten. InvestorInnen sind dabei sowohl Privatpersonen als auch institutionelle AnlegerInnen.

Unternehmen können sich und ihr Vorhaben auf der Plattform präsentieren und erhalten – je nach Art und Ausgestaltung der Schwarmfinanzierung – Kapital entweder in Form eines Darlehens, einer Spende oder einer Unternehmensbeteiligung.

Solche Online-Marktplätze bieten vor allem kleinen Unternehmen und sogar Start-Ups beispielsweise die Chance, eine erfolgversprechende Geschäftsidee schnell an den Markt zu bringen oder ein bereits vorhandenes Geschäft in neue Märkte zu expandieren, ohne dass eine Bank involviert ist. Anders als bei der Bank werden Projekte innerhalb von wenigen Tagen finanziert und ausbezahlt, sofern genug AnlegerInnen in das Projekt investieren.

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6. P2P Immocash-Darlehen

Diese Kreditart wurde direkt nach dem Inkrafttreten der Wohnimmobilienkreditrichtlinie (Wokri) von der Hegner & Möller GmbH als eigenständiges Produkt am Finanzmarkt eingeführt und über den gesamten Zeitraum bundesweit etabliert. 

P2P ImmoCash-Darlehen sind eine besondere Form der Kapitalbeschaffung für Immobilieneigentümer. Gleichfalls stellen sie aber auch ein besonders lukratives Investment für private AnlegerInnen dar.

Konditionen, Prüfkriterien, Wertermittlungsverfahren oder Vertragsbedingungen – was bei Banken oft eine „Blackbox“ ist, wird bei der Hegner & Möller GmbH den Beteiligten offen gelegt, so wissen KreditnehmerInnen und AnlegerInnen beim P2P ImmoCash-Darlehen genau, woran sie sind.

Hierbei sind die KapitalgeberInnen keine Bank, sondern private InvestorInnen, die ihr Geld einer anderen Privatperson für einen definierten Zeitraum zu einem vereinbarten Zinssatz leihen. Wofür das Geld verwendet wird, spielt nur eine untergeordnete Rolle. Wichtig ist, dass die Immobilie nicht oder nur gering belastet ist.

Ablauf ähnlich wie beim Crowdfunding

EinzelunternehmerInnen wie Selbstständige und FreiberuflerInnen können sich auf Peer-to-Peer-Kredit-Marktplätzen wie auxmoney.com oder lendico.de auch Geld von Privatpersonen leihen. Das funktioniert analog wie beim Crowdfunding:

  1. KreditnehmerInnen, die für den Marktplatz freigeschaltet werden, präsentieren ihr Kreditprojekt und die Idee, die dahintersteckt.
  2. Private AnlegerInnen können sich die Projekte anschauen und darauf bieten.
  3. Werden genug AnlegerInnen gefunden, wird das Projekt finanziert und das Geld zeitnah ausgezahlt.

Zurückgezahlt wird der P2P-Kredit wie ein gewöhnlicher Bankkredit in gleichbleibenden monatlichen Raten, die aus einem Tilgungs- und einem Zinsanteil bestehen. Private AnlegerInnen sind aufgrund der hohen Rendite oft bereit, ein höheres Risiko in Kauf zu nehmen als Banken. Zudem entscheiden Privatpersonen auch stärker aus sozialen Aspekten heraus, wen sie mit ihrem Geld unterstützen. So trifft man auf Online-Kreditmarktplätzen häufig auf AnlegerInnen, die selbst einmal klein angefangen haben, die Sorgen und Nöte von Selbstständigen und FreiberuflerInnen aus eigener Erfahrung kennen, und aus diesem Grund gerade diese Zielgruppe gerne unterstützen.

Fazit: Private AnlegerInnen sind die Zukunft

Neue Finanzierungsmodelle wie Crowdfunding und Peer-to-Peer-Kredite sind in Zeiten, die geprägt sind von immer strengerer Bankenregulierung, rückgängiger Ertragslage bei Banken und sich wandelnden KundInnenansprüchen, zu einer wichtigen und notwendigen Fremdkapitalquelle insbesondere für kleine und mittelständische Unternehmen geworden. Die Marktdurchdringung der Schwarmfinanzierung ist so hoch wie nie – nicht zuletzt durch Kooperationen mit namhaften und etablierten KreditvermittlerInnen.

Die schwierige Situation, in der sich Banken zurzeit aufgrund der anhaltenden Niedrigzinspolitik der EZB befinden, spielt den Crowdfunding-Playern in die Karten.

Nicht nur KreditnehmerInnen, die bei der Bank abgelehnt wurden, lassen ihre Projekte auf Online-Kreditmarktplätzen von privaten AnlegerInnen finanzieren. Immer mehr Privatpersonen und kleine Unternehmen ziehen neue Finanzierungsmodelle wie die Schwarmfinanzierung dem Bankkredit sogar vor, da die Prozesse größtenteils automatisiert und die Finanzierungsgeschwindigkeit dadurch um ein Vielfaches höher ist als bei der Bank.

Torsten Marx
Torsten Marx ist Leiter für Unternehmenskredite und Kooperationen der Kanzlei für Finanzen und Immobilien Hegner & Möller GmbH in Berlin. Außerdem verantwortet er das hauseigene Produkt „P2P Immocash“, wo sich Immobilieneigentümer von Privat Geld ohne Bank leihen können.

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