Wer im Mittelstand über eine eigene App nachdenkt, bekommt auf die Preisfrage meist die ehrlichste aller Antworten: „Kommt darauf an.“ Das stimmt – hilft aber bei der Budgetplanung niemandem. Deshalb hier konkrete Zahlen und die Faktoren, die den Preis wirklich bestimmen.

Die grobe Spanne

Am deutschen Markt haben sich grob drei Größenordnungen etabliert. Einfache Apps und MVPs – die erste marktreife Version, um eine Idee zu testen – beginnen im niedrigen fünfstelligen Bereich, je nach Umfang etwa 8.000 bis 25.000 Euro; mit KI-gestützter Entwicklung ist der untere Rand heute realistischer als noch vor wenigen Jahren. Eine mittlere Business-App mit Nutzerkonten, Backend und mehreren Funktionen bewegt sich zwischen 25.000 und 80.000 Euro. Komplexe Anwendungen mit Schnittstellen, Offline-Funktion oder hohen Sicherheitsanforderungen beginnen bei rund 80.000 Euro und reichen bis 250.000 Euro und mehr.

Eine Web-App beziehungsweise Progressive Web App ist oft die günstigere Alternative: Sie läuft im Browser statt im App Store und kostet je nach Umfang etwa 4.500 bis 35.000 Euro – nach Marktbeobachtungen 30 bis 70 Prozent weniger als zwei native Apps. Wer native iOS- und Android-Apps braucht, aber sparen will, fährt mit Cross-Platform-Technologie rund 40 Prozent günstiger als mit zwei getrennten Entwicklungen, weil nur eine Codebasis gepflegt werden muss.

Wovon der Preis wirklich abhängt

Der größte Kostentreiber ist nicht die Technik, sondern der Funktionsumfang. Jede Funktion bedeutet Design, Code, Tests und spätere Wartung. Ein Login mit Social-Anmeldung schlägt mit etwa 3.000 bis 8.000 Euro zu Buche, eine Zahlungsanbindung mit 5.000 bis 15.000 Euro, eine Echtzeit-Chatfunktion mit 8.000 bis 25.000 Euro, KI-Funktionen je nach Tiefe mit 10.000 Euro aufwärts.

Dazu kommen deutsche Pflichtthemen. Eine DSGVO-konforme Umsetzung kostet schnell 2.000 bis 5.000 Euro extra. Und seit dem 28. Juni 2025 gilt das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz: Viele Apps und Shops müssen nun barrierefrei nutzbar sein, was bei Altsystemen erheblichen Nacharbeitsaufwand auslösen kann.

Auch die Stundensätze erklären, warum Angebote so weit auseinanderliegen. Freelancer in Deutschland liegen meist bei 75 bis 130 Euro, Agenturen bei 100 bis 180 Euro pro Stunde; der durchschnittliche Freelancer-Stundensatz lag 2025 laut Freelancer-Kompass bei 104 Euro. Offshore-Teams wirken mit 25 bis 60 Euro günstig – Kommunikationsaufwand und Nacharbeit relativieren den Vorteil aber oft. Merke: Der niedrigste Stundensatz ist selten der niedrigste Projektpreis.

Zeit: von der Idee bis zum Store

Ein MVP entsteht typischerweise in 6 bis 10 Wochen, eine mittlere App in 4 bis 6 Monaten, komplexe Projekte brauchen ein halbes Jahr und mehr. Wie schnell es wirklich geht, hängt weniger an der Technik als an klaren Anforderungen und schnellen Entscheidungen auf Auftraggeberseite.

Der Kostenblock, den viele vergessen

Mit dem Launch hören die Kosten nicht auf. Als Faustregel gelten 15 bis 20 Prozent der Entwicklungskosten pro Jahr für Wartung – im ersten Jahr oft mehr. Dazu kommen Hosting (30 bis über 1.000 Euro im Monat je nach Nutzerzahl), Store-Gebühren (Apple 99 US-Dollar jährlich, Google 25 US-Dollar einmalig) und, bei kostenpflichtigen Apps, 15 bis 30 Prozent Provision an Apple und Google. Betriebssystem-Updates von iOS und Android erzwingen zudem regelmäßige Anpassungen. Für eine 50.000-Euro-App solltest du über drei Jahre realistisch 75.000 bis 85.000 Euro Gesamtkosten einplanen.

Senkt KI die Kosten?

Ja, aber begrenzt. Studien von McKinsey und GitHub zeigen bei einzelnen Programmieraufgaben Beschleunigungen von 35 bis über 50 Prozent. Doch Programmieren macht nur rund ein Drittel der Entwicklungsarbeit aus – der Rest sind Anforderungsklärung, Design, Tests, Sicherheit und Projektmanagement, wo KI kaum spart. In einer kontrollierten Studie (METR, 2025) waren erfahrene Entwickler an komplexem Bestandscode mit KI sogar 19 Prozent langsamer, hielten sich aber für schneller. KI verbilligt also Teile der Umsetzung, nicht das Gesamtprojekt im gleichen Maß.

Die teuersten Fehler

Am meisten Geld verbrennen nicht Programmierfehler, sondern unklare Anforderungen und ständig wachsender Umfang. Laut Standish-CHAOS-Report gelten nur rund 29 Prozent der IT-Projekte als erfolgreich; Hauptursachen sind unklare Anforderungen und Scope Creep. Und 42 Prozent der gescheiterten Produkte lösten schlicht kein echtes Marktproblem. Die wichtigste Kostenbremse liegt deshalb vor der ersten Zeile Code: Bedarf validieren, mit einem echten MVP klein starten, Anforderungen sauber definieren – und das Budget für Wartung und Marketing von Anfang an mitdenken.

Lukas M. Beck

Lukas M. Beck verantwortet als Dev-Lead die App-Entwicklung bei der BlueBranch GmbH – einer inhabergeführten App- und Software-Agentur aus Fürth, die Apps von der ersten Idee bis zur Monetarisierung entwickelt. Sein Fokus liegt auf plattformübergreifender Entwicklung, Kostentransparenz und MVP-Strategie.

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