Für Führungskräfte, die Stärken fördern, Sinn vermitteln, Vertrauen aufbauen und Menschen befähigen möchten, können KI-Systeme wertvolle Tools sein. Doch die KI ist kein Ersatz für echte, menschliche Führung.

KI-Systeme können Führungskräfte, dabei unterstützen,

  • ihren Mitarbeitenden Wertschätzung zu zeigen,
  • deren Kompetenzen zu fördern,
  • ihre Motivation zu stärken,
  • ihnen Zuversicht zu vermitteln und
  • ihnen psychologische Sicherheit zu vermitteln.

Wie Führungskräften, die ein Positive Leadership anstreben, dies gelingt, sei nachfolgend kurz erläutert.

1. Wertschätzung zeigen und individuell ausdrücken

Wertschätzung ist ein zentraler Hebel für ein Positive Leadership. KI-Systeme können Führungskräften helfen, diese persönlicher sowie beständiger und widerspruchsfreier zu zeigen. KI-Tools können aus Projektberichten und Leistungsdaten die individuellen Beiträge der Mitarbeitenden herausarbeiten. Zudem können Führungskräfte sich von ihnen Vorschläge für anerkennende und wertschätzende Rückmeldungen vorformulieren lassen. KI-Systeme können zudem in anonymisierten Teamumfragen zum Beispiel Muster und Entwicklungstendenzen wie sinkende Zufriedenheit oder Identifikation erkennen und den Führungskräften Hinweise geben, wo welcher emotionale Support sinnvoll wäre.

Die KI kann Führungskräfte zudem daran erinnern, Personen und Teams mal wieder ein Feedback zu geben und ihnen die gewünschte Aufmerksamkeit zu schenken. Dies gerät im hektischen (Führungs-)Alltag oft in Vergessenheit. Wichtig ist es dabei, die KI-generierten Botschaften stets zu prüfen und individuell zu gestalten. Ein kopierter KI-Text, der keine echte, persönliche Beziehung zeigt, wirkt standardisiert und die signalisierte Wertschätzung ist deshalb unglaubwürdig.

2. Kompetenzen ausbauen und Stärken fördern

Positive Leadership setzt auf Stärkenorientierung statt Defizitfokussierung. KI-Systeme können helfen, die Potenziale von Mitarbeitenden sichtbar zu machen und die Entwicklungsmaßnahmen zu individualisieren. KI-gestützte HR-Systeme können Fähigkeitenprofile aus Projekten, der Alltagsarbeit der Mitarbeitenden und ihrem Lernverhalten ableiten und deren Entwicklungspotenziale aufzeigen. Auf Basis dieser Daten können dann individuelle Weiterbildungs- und Förderpläne erstellt werden wie Microlearnings, passende Seminare und Lernempfehlungen. Zudem können Führungskräfte sich mit Hilfe der KI auf Mitarbeitergespräche und -Coachings vorbereiten und mit ihr zum Beispiel eine sinnvolle Struktur und zielführende Fragen entwickeln.

Praxisbeispiel: Ein Mitarbeitender zeigt ausgeprägte Stärken beim „analytischen Denken“, jedoch wenig Selbstvertrauen beim Präsentieren seiner Ideen und Lösungsvorschläge. Die KI schlägt zum Entwickeln des Selbstbewusstseins spezielle Trainings, Übungen und Feedbackmethoden vor und die Führungskraft begleitet diesen Entwicklungsprozess persönlich.

3. Motivation stärken und Empowerment fördern

Motivation entsteht, wenn Menschen Sinn erfahren, Autonomie erleben und die Wirkung ihres Tuns spüren. KI-Systeme können diesbezüglich Transparenz schaffen und so die Selbstwirksamkeit der Mitarbeitenden fördern. KI-Tools können die Fortschritte in Projekten und in der Alltagsarbeit visualisieren und die Beiträge der Mitarbeitenden zur Zielerreichung sichtbar machen.

Außerdem können Vorschläge der Mitarbeitenden mit ihrer Hilfe strukturiert, geclustert und priorisiert werden – so dass diese sich mit ihren Ideen stärker gehört und wahrgenommen fühlen. Die Mitarbeitenden können die KI-Systeme auch nutzen, um eigenständig Lösungen für Probleme zu entwickeln; Führungskräfte, die dies fördern, stärken die Eigenverantwortung in ihrem Team.

Praxisbeispiel: Ein Team arbeitet an einem komplexen Projekt. Die KI analysiert die Fortschritte und gibt den Mitarbeitenden beispielsweise die Rückmeldung: „Durch Ihren Beitrag sank die Bearbeitungszeit um 15 Prozent.“ Das stärkt ihre Motivation und macht sie stolz.

4. Hoffnung und Zuversicht in unsicheren Zeiten vermitteln

Gerade in Krisenzeiten oder bei großen Herausforderungen brauchen Teams das Gefühl: „Wir schaffen das, wenn …“ Die KI kann dafür verschiedene Zukunftsszenarien erstellen und Handlungsoptionen aufzeigen, insbesondere in Situationen, in denen scheinbar nichts mehr geht. Umgekehrt können ähnliche Herausforderungen in der Vergangenheit, im eigenen oder in anderen Unternehmen, analysiert werden, sodass aufgezeigt wird, welche Lösungswege bereits erfolgreich waren. Zudem können Führungskräfte die KI nutzen, um klare, verständliche und ermutigende Kommunikationsbotschaften für ihre Mitarbeitenden zu entwickeln.

Praxisbeispiel: Bei einer Transformation zeigt die KI: „80 Prozent der vergleichbaren Projekte in der Vergangenheit haben ihre Ziele erreicht, wenn folgenden Maßnahmen umgesetzt wurden: ….“. Die Führungskraft nutzt diese Information, um Zuversicht zu vermitteln – ergänzt durch eine persönliche Ansprache und Orientierung.

5. Die psychologische Sicherheit fördern

Psychologische Sicherheit bedeutet, dass Mitarbeitende den Mut haben, ihre Meinungen, Bedenken, Wünsche, Erwartungen usw. in ihrem Arbeitsumfeld offen zu artikulieren, weil sie keine negativen Konsequenzen hiervon befürchten. KI-Systeme können hierbei unterstützend wirken – sofern sie sensibel eingesetzt werden.

Die KI kann die Feedbacks auswerten und Muster erkennen, ohne Einzelpersonen offenzulegen. Wie ein Frühwarnsystem können diese Sprach- und Textanalysen beispielsweise bei Umfragen auf latente vorhandene Konflikte, Spannungen und Unsicherheiten hinweisen. Existieren diese, kann die KI Führungskräften beim Vorbereiten schwieriger Gespräche helfen, indem sie Formulierungsvorschläge für ein konstruktives Feedback macht. Hierbei ist die Transparenz entscheidend. Die Mitarbeitende müssen wissen, wie und wofür die erhobenen Daten genutzt werden, sonst entsteht Misstrauen statt Vertrauen und Sicherheit.

Warum KI Führung nicht ersetzen kann

So hilfreich KI-Systeme im Arbeits- und Führungsalltag oft auch sind, sie sind und bleiben Werkzeuge. Positive Leadership basiert auf einer echten, persönlichen Mensch-Mensch-Beziehung und diese lässt sich nicht digitalisieren sowie automatisieren.

Wertschätzung wirkt nur, wenn sie spürbar ernst gemeint und ehrlich ist. KI kann zwar wertschätzend formulieren, jedoch nicht fühlen. Vertrauen erwächst aus persönlicher Interaktion, erfahrener Zuverlässigkeit und geteilten Erfahrungen – nicht durch Algorithmen. Führung erfordert Empathie, situatives Gespür und Intuition. KI kann zwar Hinweise geben, jedoch keine echte emotionale, persönliche Resonanz erzeugen.

Führen bedeutet auch, Entscheidungen zu treffen und die Verantwortung hierfür zu übernehmen, auch in einem von Unsicherheit geprägten Umfeld. Diese Funktion und Haltung kann nicht an Maschinen delegiert werden. Jeder Mensch und jede Situation sowie Konstellation ist einzigartig. KI arbeitet mit erkannten Mustern – Führung mit Menschen.

Die Künstliche Intelligenz (KI) als Werkzeug nutzen

KI-Systeme können Führungskräften helfen, Wertschätzung gezielter auszudrücken, Stärken zu fördern, Motivation zu steigern, Zuversicht zu vermitteln und die psychologische Sicherheit der Mitarbeitenden zu unterstützen. Der entscheidende Erfolgsfaktor ist und bleibt jedoch der Mensch. KI kann vorbereiten, analysieren und inspirieren – jedoch nicht führen.

Die wirksamste Führung entsteht, wenn technologische Unterstützung und echte menschliche Beziehung zusammenkommen. Oder anders formuliert: KI kann Führungskräfte zwar helfen, ihre Wirksamkeit zu erhöhen; sie kann diese jedoch nicht ersetzen.

Elke Katharina Meyer und Frank Nesemann und Thomas Werner

Die drei Autoren – Elke Katharina Meyer, Frank Nesemann und Thomas Achim Werner – bilden gemeinsam das Führungsteam der Unternehmensberatung Positivity Guides eGbR, Berlin/Braunschweig, die auf das Themenfeld Positive Führung bzw. Positive Leadership spezialisiert ist.

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