Wenn du dein Unternehmen, Teams und MitarbeiterInnen in das Zeitalter der Künstlichen Intelligenz (KI) führen willst, solltest du nicht nur auf die technischen Aspekte, sondern vor allem auf die kulturellen, organisatorischen und menschlichen Voraussetzungen achten. Der folgende Leitfaden unterstützt dich dabei.

Ein zentraler Erfolgsfaktor für den nachhaltigen Wandel durch KI ist das Engagement der Menschen. KI-Transformation ist ein kontinuierlicher Lern- und Entwicklungsprozess. Nutze die fünf Schritte, um den Prozess zu gestalten und alle MitarbeiterInnen zu beteiligen.

Schritt 1: Ist-Analyse durchführen

Verschaffe dir zunächst einen Überblick über den Ist-Zustand: Inwiefern wird KI in Deinem Verantwortungsbereich bereits genutzt, inwiefern sollte sie noch stärker eingesetzt werden? Damit deine Teams und du von der Notwendigkeit und Sinnhaftigkeit des KI-Einsatzes überzeugt sind, ist es erforderlich, sich die Vorteile der KI zu vergegenwärtigen. Zum Beispiel: KI verbessert die Geschwindigkeit von Entscheidungs- und Abstimmungsprozessen und kann Informationen rasch analysieren, strukturieren und schneller zugänglich machen. Sie beschleunigt die Kommunikation, entwirft etwa Mails und Briefings rasend schnell, und ist geeignet, wichtige Aufgaben zu standardisieren. Dein Vorteil: Du gewinnst mehr Zeit für dein Führungshandeln, weil du von Routineaufgaben entlastet wirst.

Schritt 2: Auch die Nachteile bedenken

KI hilft dir, die Umsetzungsgeschwindigkeit zu erhöhen und die Wissensnutzung zu vervielfachen. Aber Achtung: Eine Studie des Brand Science Institute (BSI) in Hamburg zeigt, dass sich viele Führungskräfte von der KI bedroht sehen und einen befürchten. Mühelos und schneller formuliert die KI eine Top-Problemlösung, für die die Führungskraft trotz ihrer Erfahrungen mehr Zeit benötigt. Geschäftsführung und MitarbeiterInnen bekommen dies mit – das kratzt am Selbstwert und droht zu einem Autoritätsverlust zu führen.

Reflektiere offen, ob du dich von der KI bedroht fühlst. Versuche, sie als Hilfsinstrument und Unterstützungstool, als Sparrings- und Arbeitspartner zu begreifen. Die menschliche Kreativität ist und bleibt ein vorrangiger Faktor. Du bist es, der den Kontext setzt, die ethischen Entscheidungen trifft, die Ergebnisqualität bewertet und die Richtung vorgibt. Die KI und du bilden ein Team, in dem sich die analytische KI-Verarbeitungsgeschwindigkeit und deine Innovationskraft ergänzen.

Schritt 3: KI verstehen und Bewusstsein schaffen

Du stehst in der Verantwortung, ein klares Verständnis für den verantwortungsvollen KI-Einsatz im Führungsalltag zu entwickeln. Zudem ist es deine Aufgabe, dass auch deine MitarbeiterInnen die KI akzeptieren, ihren Nutzen nachvollziehen und sie einsetzen wollen.

Darum: Kreiere eine KI-Vision, die du in eine Story packst. Dazu berichtest du im Meeting authentisch von einem Unternehmen, dem es mit KI gelungen ist, die Kundenzufriedenheit zu steigern. Verknüpfe dabei Fakten wie „Schnellere Bearbeitung von Kundenanfragen“ mit einer emotionalen Botschaft: „Stellt euch mal vor, wie klasse es unsere Kunden finden, wenn wir ihre Erwartungen antizipieren.“ Leite daraus ein Ziel ab, das die MitarbeiterInnen mitnimmt: „Lasst uns die KI nutzen, um unsere Arbeit zu vereinfachen und die KundInnen zu begeistern!“

Schritt 4: KI konkret anwenden und einsetzen

Nichts motiviert mehr als der Erfolg: Nutze ein Pilotprojekt, mithin eine eher überschaubare Aufgabe, um dich selbst und die MitarbeiterInnen vom Nutzen des KI-Einsatzes zu überzeugen. Indem du mit KI deine Kommunikation und deine Entscheidungskompetenz optimierst und Teamtreffen effektiver gestaltest, führst du dir selbst und anderen Menschen die Sinnhaftigkeit der KI vor Augen. Du stößt einen Kulturwandel an und befähigst die Teams und MitarbeiterInnen nach und nach, die Zusammenarbeit zwischen Mensch und Technik neu zu denken und die KI-Potenziale zu nutzen.

Schwachstellen dürfen dabei nicht verschwiegen, sondern sollten thematisiert werden. Entscheidend ist, auf dem KI-Transformationsweg aus Fehlern und Rückschritten zu lernen und Widerstände frühzeitig zu erkennen und aufzugreifen. So lassen sich MitarbeiterInnen, die Bedenken äußern, doch noch zu AnhängerInnen der neuen Technologie entwickeln.

Schritt 5: KI in den Alltag integrieren

Sobald alle Beteiligten vom KI-Einsatz überzeugt sind, fällt es leichter, die Technologie im alltäglichen Führungshandeln und im operativen Geschäft anzuwenden. Im Idealfall gelingt es, erfolgreiche KI-Einzellösungen zu skalieren: Aus dem individuellen erfolgreichen Einsatz der KI wird ein standardisierter Prozess abgeleitet, der von allen MitarbeiterInnen und Teams umgesetzt wird.

Konkretes Beispiel: In einem Team ist es gelungen, mithilfe von KI die Bearbeitung von Kundenbeschwerden zu automatisieren und so rascher auf Reklamationen zu reagieren. In der Folge kommt es zu einem messbaren Zeitersparnis. Daraus wird ein Standard für alle Teams abgeleitet, der dazu führt, zukünftig Beschwerden innerhalb von einem Tag qualifiziert zu beantworten. Die Erfolgsgeschichte wird im Unternehmen geteilt, um andere Teams zu inspirieren, bis schließlich alle den Standard in ihren Arbeitsalltag integriert haben.

Ziel erreicht!

Christian Polz

Christian Polz ist Inhaber und Geschäftsführer von Team-Polz. Der Berater, Trainer, Coach und Supervisor coacht und trainiert seit über 20 Jahren erfolgreich Vorstände, Geschäftsführer und Führungskräfte aller Managementebenen. Er ist Experte für Unternehmensführung, Transformation, Agilität, Führung, Teamentwicklung, Changemanagement und Konfliktmanagement. Zu diesen Themen hat er mehrere Bücher verfasst. Das Team-Polz bietet unter dem Titel „KI Leadership Booster: Souverän führen mit künstlicher Intelligenz“ ein Leadership-Programm zur wirksamen, sicheren und strategischen Nutzung von KI im Führungsalltag an.

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