Nicht künstliche Intelligenz, sondern das Arbeiten von zu Hause aus ist der Hauptgrund für die wachsenden Jobprobleme junger Hochschulabsolventen. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Analyse der Federal Reserve Bank of New York, die am Montag veröffentlicht wurde. Die Forscher beziffern den Einfluss von Remote Work auf die gestiegene Jugendarbeitslosigkeit auf rund 64 Prozent. Seit der Corona-Pandemie ist die Arbeitslosenquote unter jungen Absolventen um etwa 20 Prozent gestiegen – und der Trend hält an, während sich die Zahlen für ältere, erfahrenere Arbeitnehmer längst erholt haben. „Unsere Analyse deutet darauf hin, dass diese Trends zusammenhängen, wobei Remote Work es für Manager schwieriger macht, neue Mitarbeiter zu trainieren und zu betreuen“, erklären die Fed-Ökonomen. Unternehmen scheuen sich demnach, Berufseinsteiger in verteilten Arbeitsmodellen einzusetzen.
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Unternehmen meiden Berufseinsteiger bei Remote-Stellen
Die Studie verglich Berufe, die sich für Heimarbeit eignen – etwa Softwareentwicklung – mit solchen, die Präsenz erfordern, wie Krankenpflege. Das Ergebnis ist eindeutig: Bei jungen Hochschulabsolventen unter 29 Jahren in remotefähigen Jobs stieg die Arbeitslosenquote zwischen 2017-2019 und 2022-2024 um etwa einen Prozentpunkt.
Bei älteren Arbeitnehmern in denselben Berufsfeldern sank die Quote hingegen leicht. In Berufen mit Präsenzpflicht zeigt sich dieser Altersunterschied kaum. „Remote Work hat die Anreize geschwächt, junge Arbeitnehmer einzustellen, indem es die Ausbildung am Arbeitsplatz behindert“, heißt es in der Studie. Arbeitgeber wollten keine frischen Absolventen in verteilten Teams beschäftigen, weil es schwieriger sei, ihnen die erforderlichen Fähigkeiten aus der Ferne beizubringen.
Feedback für Nachwuchskräfte brach nach Pandemie ein
Die Forscher untersuchten auch ein nicht namentlich genanntes Fortune-500-Technologieunternehmen im Detail. Emma Harrington, Assistenzprofessorin an der University of Virginia und Mitautorin der Studie, analysierte dabei das Feedbackverhalten bei Softwareentwicklern. „Was wir sahen, war dieses ziemlich auffällige Muster, dass Softwareentwickler etwa 20 Prozent mehr Feedback erhielten, wenn sie in der Nähe ihrer Kollegen saßen“, berichtet die Forscherin.
Nach dem pandemiebedingten Wechsel ins Homeoffice brach diese Rückmeldung messbar ein – mit besonders harten Folgen für Berufsanfänger. Das untersuchte Unternehmen reagierte auf die veränderten Bedingungen: Statt frischer Absolventen stellte es plötzlich Mitarbeiter ein, die im Schnitt etwa zehn Jahre älter waren. Erst als die Firma eine Rückkehr ins Büro einführte, begann sie wieder, Hochschulabsolventen zu rekrutieren.
Forscher bestätigen: KI-Effekt statistisch kaum messbar
Die Erkenntnisse der New Yorker Fed-Ökonomen stehen nicht allein. Wissenschaftler der London School of Economics kamen in einer unabhängigen Untersuchung zu vergleichbaren Resultaten. Peter John Lambert und Yannick Schindler analysierten Daten von 243 Millionen Neueinstellungen und 407 Millionen Stellenausschreibungen aus den USA, Großbritannien, Kanada und Australien.
Ihr Fazit: Die Exposition gegenüber Heimarbeit sagte den Rückgang bei Einstellungen von Berufsanfängern deutlich besser voraus als die Exposition gegenüber generativer KI. Wurden beide Faktoren gleichzeitig berücksichtigt, schwächte sich der KI-Effekt stark ab und wurde „statistisch nicht mehr von null unterscheidbar“, so die Autoren. Der Remote-Work-Effekt blieb hingegen robust nachweisbar.
Schwieriger Start prägt die gesamte Karriere
Die Fed-Forscher warnen eindringlich vor den langfristigen Folgen dieser Entwicklung. Wer seinen Berufseinstieg in einem schwachen Arbeitsmarkt beginnt, trägt die Konsequenzen oft über Jahre hinweg mit sich. „Erfahrungen zu Beginn der Karriere können langfristige Folgen haben“, heißt es in dem Bericht. Untersuchungen zeigten, dass Betroffene im Vergleich zu Kollegen, die unter besseren Marktbedingungen starteten, tendenziell geringere Einkommen und einen langsameren Karrierefortschritt aufweisen.
Besonders bitter für junge Arbeitnehmer: Gerade wenn Jobs knapp sind, wird es noch schwieriger, die notwendige Ausbildung und Betreuung zu erhalten. „Ironischerweise wird es für junge Arbeitnehmer noch schwerer, das Training zu bekommen, das sie brauchen, wenn Jobs rar sind“, schreiben die Ökonomen.
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