Vibe Coding krempelt seit 2025 gründlich die Verhältnisse um, wer Software entwickeln kann und wer nicht. Denn wenn die KI es übernimmt, natürliche Sprache in Code umzuwandeln, sind Programmierkenntnisse zwar von Vorteil, aber es geht nun auch ohne. Außerdem steigt damit die Geschwindigkeit, mit der neue Programme in die Anwendung kommen, von Wochen auf wenige Tage. Kann Vibe Coding vor diesem Hintergrund eine Lösung sein, wenn in Unternehmen ProgrammiererInnen fehlen? Wir nehmen das mal unter die Lupe.

Was ist Vibe Coding?

Kam dir in deinem Arbeitsalltag schon mal eine Idee für eine App, die einfach gefehlt hat? Oder gab es im Team eine Idee für eine Applikation, die dann doch niemals umgesetzt wurde, weil die IT-Abteilung zu beschäftigt war? Für solche Fälle ist Vibe Coding genau das Richtige. Dabei wandelst du in fünf Schritten deine Idee in einen Prompt um. Du beschreibst in natürlicher Sprache:

  • Um was es geht, z. B. „Ein Business-Workflow-Tool“
  • Für wen: „Mittleres Management in großen Unternehmen“
  • Was sie können soll. Hier werden die Funktionen aufgezählt und genau beschrieben: „NutzerInnen können Anfragen annehmen, ManagerInnen können diese bestätigen. Das System sendet Benachrichtigungen“
  • Wie es sich anfühlen soll. Deshalb heißt es ja Vibe Coding! Hier geht es um Farben, Abstände oder Typographie. „Ruhig, glatt, professionell“
  • Was die App nicht tun soll: „Verwende vorerst keine Authentifizierung über Dritte.“

Die KI wandelt diese Angaben in Code um und erstellt daraus in einem Schritt eine lauffähige Unternehmens-App. Je nach genutztem Tool kann hinter der KI zum Beispiel Claude, ChatGPT, Gemini oder DeepSeek stehen. Wer Wert auf den Datenschutz legt, sollte hier genau hinsehen, für welchen Anbieter er sich entscheidet.

Dann folgt die Phase der Iterationen. Das heißt, jede Funktion kommt nochmal auf den Prüfstand und wird angepasst, bis alles für dich stimmt. Vibe Coding ist dabei eine Unterhaltung, ein Chat. Am Ende steht ein direkt einsatzbereites Business-Workflow-Tool, das du auch an andere Programme anbinden kannst.  

Vibe Coding als Chance bei Fachkräftemangel

In der IT-Branche waren 2025 laut Bitkom rund 109.000 Stellen in Deutschland nicht besetzt. Einerseits brauchen Unternehmen für die digitale Transformation ein Heer von Software-EntwicklerInnen, Security-ExpertInnen und Fachleute für Datenanalyse. Gleichzeitig wird immer wieder kritisch die Frage gestellt, ob KI den IT-Experten die Arbeit wegnimmt. Es gibt mittlerweile KI-Startups, die mit winzigen Teams Millionen erwirtschaften. Zudem ist der Wettbewerb beim Einstieg für Nachwuchskräfte aufgrund unsicherer wirtschaftlicher Zeiten härter geworden.

Der Wandel in der Branche ist tiefgreifend. Die Weiterentwicklung der KI lässt neue Berufe entstehen, andere Arbeitsplätze verschwinden. Babyboomer gehen in Rente, die Digitalisierung schreitet voran. „Auch 2026 bleibt der Bedarf an IT-Fachkräften daher grundsätzlich hoch, allerdings deutlich selektiver als in den Boomjahren“, resümiert Jenny Tisler vom Get-it-in-Magazin.

Es gibt ihn also weiterhin, den strukturellen Fachkräftemangel, und Vibe Coding kann helfen. Denn der Beruf des Programmierers gehört zu jenen, die besonders betroffen sind. Einerseits können MitarbeiterInnen nun ohne Codekenntnisse einfache Unternehmens-Apps selber entwickeln. Ein Tool zur Erstellung von Online-Formularen zum Beispiel, oder eine App zur Arbeitszeiterfassung. Andererseits können sie von der KI Prototypen bauen lassen, um Ideen zu testen. Programmier-Erfahrene bauen hingegen mit Vibe Coding zügig auch komplexe Apps. Denn wer Code lesen kann, der sieht auch eventuelle Fehler der KI: Fehlende Security-Checks, Halluzinationen oder unsichere Implementierungen können so erkannt und ausgemerzt werden. 

Konkret heißt das, Entwicklungsprozesse werden durch Vibe Coding beschleunigt und gleichzeitig verändert sich die Art, wie Teams an Aufgaben herangehen. „Der große Reiz von Vibe Coding liegt in seiner Zugänglichkeit und Geschwindigkeit“, betont das Fraunhofer Institut. Und genau daraus resultiert die Stärke gegen den Fachkräftemangel. Mehr Tempo heißt mehr Zeit für die ProgrammiererInnen im Betrieb, sich auf komplexe Aufgaben zu konzentrieren.

Fazit

Vibe Coding steigert die Produktivität, fördert Innovation und ist vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels eine sinnvolle Strategie für Unternehmen. Bei aller Verlockung durch seine Niedrigschwelligkeit sollte es jedoch klug eingesetzt werden. Komplexe Software-Entwicklung gehört weiterhin in die Hände von ProgrammiererInnen, ebenso die Integration und Anbindung in Systeme. Einfache Aufgaben und Prototyping können nun jedoch auch Nicht-EntwicklerInnen übernehmen. Für dich heißt das: Wenn du für deine tägliche Arbeit ein Tool selbst entwickeln möchtest, kannst du es tun. Es war noch nie so einfach wie jetzt.

Friederike Marx-Kohlstädt

Friederike Marx-Kohlstädt ist bei dem Freiburger Software-Entwickler DynaPictures zuständig für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit und beschäftigt sich seit zwei Jahren intensiv mit dem Thema Marketing-Automatisierung. Bei DynaPictures geht es dabei konkret um die Automatisierung von Bildern. Bevor Friederike in die IT-Branche wechselte, arbeitete sie im Printjournalismus.

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