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Mit der schnellen Einführung von Künstlicher Intelligenz wächst in Deutschland die Gefahr, dass die Unterschiede zwischen den Geschlechtern auf dem Arbeitsmarkt größer werden als anderswo in Europa. Eine neue Analyse von Personio, Anbieter für HR-Software, kommt zu dem Schluss: Besonders Büro- und Verwaltungsstellen – Berufe, die häufig von Frauen ausgeübt werden – sind besonders bedroht. Ohne gezielte Maßnahmen könnten die Nachteile für Frauen zunehmen – ausgerechnet in einer Zeit, in der Technologie die Arbeitswelt grundlegend verändert.

Laut der Internationalen Arbeitsorganisation sind 9,6 % der von Frauen dominierten Jobs in wohlhabenden Ländern besonders vom Einfluss künstlicher Intelligenz bedroht. Im Vergleich dazu liegt der Wert bei männerdominierten Berufen nur bei 3,5 %. In Deutschland sind vor allem Büro- und unterstützende Tätigkeiten betroffen.

Warum man jetzt handeln sollte

Unterschiede bei der Wahrnehmung zeigen sich schon deutlich: Eine deutsche Umfrage ergab, dass 34 % der Frauen generative KI als echte Gefahr für den Job empfinden – bei den Männern sind es nur 20 %. Bei Führungs- und Fachkräften sind es sogar nur 14 %, die sich Sorgen machen. Hier spürt man:

Der größte Anpassungsdruck trifft die Mitarbeiter:innen an der Basis.

Doch obwohl KI im Alltag ankommt, reagiert die deutsche Arbeitswelt nur langsam. Eine KPMG-Studie zeigt: Nur jede:r Fünfte in Deutschland hat bislang eine formelle KI-Schulung erhalten – deutlich weniger als der internationale Durchschnitt von 39 %. Gleichzeitig nutzen bereits zwei Drittel KI privat, und 32 % haben Vertrauen in die Technologie. Untersuchungen des ZEW belegen, dass über 60 % der Berufstätigen in Deutschland KI bereits informell einsetzen – meistens ohne Zustimmung der Arbeitgeber –, besonders Jüngere und Hochqualifizierte.

Obwohl KI also weit verbreitet ist, setzen viele Unternehmen noch sehr zögerlich darauf. Laut Asana hat nur knapp jedes fünfte Unternehmen KI im großen Stil eingeführt, obwohl zwei von drei Wissensarbeiter:innen sie jede Woche nutzen. So entsteht das Risiko, dass vor allem Führungskräfte und Digitalprofis profitieren, während Beschäftigte in Service- oder Supportrollen zurückbleiben.

Was Unternehmen jetzt tun können

Expert:innen betonen, dass Unternehmen aktiv werden müssen, damit KI für mehr Gerechtigkeit sorgt – und nicht zur neuen Hürde wird. Dazu gehören:

  1. Berufe mit besonders hohem Risiko identifizieren und gezielt unterstützen
  2. KI-Trainings und Zugang zu Tools für alle ermöglichen, damit niemand ausgeschlossen wird
  3. Spezielle Schulungsprogramme für die Arbeit im Büro und in der Verwaltung auf den Weg bringen
  4. Klare und gerechte Regeln für die KI-Nutzung im Unternehmen festlegen
  5. Auswerten, ob die technischen Veränderungen allen Beschäftigten zugutekommen und mehr Chancengleichheit schaffen

Ein HR-Spezialist bei Personio erklärt:

„In Deutschland verändert KI die Arbeitswelt bereits spürbar. Wenn Unternehmen die neuen Technologien nicht gezielt gestalten, treffen die Folgen vor allem diejenigen, die heute am wenigsten vorbereitet sind. Unser Ziel ist es, HR-Teams und Unternehmen darin zu befühigen, den Wandel bewusst, fair und transparent zu steuern – damit Technologie die Arbeitswelt für alle besser macht.“

Fritz Singer

Fritz Singer leitet als VP Talent Acquisition die globale Recruiting-Strategie bei Personio. Mit seinem Team treibt er datenbasiertes Hiring und Employer Branding für eines der wachstumsstärksten HR-Tech-Startups Europas voran.

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