„New Normal“ nach Corona: Unternehmen müssen sich wappnen

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„New Normal“ nach Corona: Unternehmen müssen sich wappnen
© Dilok – stock.adobe.com

Wie sieht das „New Normal“ der Unternehmen aus? Seit über einem Jahr leben wir mit der Pandemie. Sie hat unseren Alltag und unsere Arbeit völlig auf den Kopf gestellt, und ein Zurück zu einem Prä-Corona-Zustand ist nicht möglich.

Unternehmen und Behörden können deshalb nach dem Ende der Pandemie nicht stur weitermachen wie bisher, sondern müssen die erzwungenen Veränderungen als Chance sehen und Innovationen zulassen.

Digitale Technologien sind für unser Leben noch unverzichtbarer geworden, sei es beim Arbeiten im Homeoffice, Homeschooling, Einkaufen oder bei Unterhaltungsangeboten.

Einer weltweiten Umfrage unter Führungskräften zufolge hat die Pandemie die Einführung digitaler Technologien um drei bis vier Jahre beschleunigt. In Deutschland beispielsweise hat die Nachfrage nach E-Signaturen im vergangenen Jahr rasant zugenommen, da man so Verträge auch von Zuhause aus einfach, schnell und sicher unterschreiben kann.

Um auch nach der Pandemie erfolgreich zu sein, sollten EntscheidungsträgerInnen deshalb folgende Trends keinesfalls verpassen:

1. Homeoffice fo(e)rdert den Umzug in die Cloud

Viele deutsche Unternehmen sträubten sich lange gegen Cloud-Technologien sowie gegen das Arbeiten im Homeoffice. Doch Corona machte ein Umdenken notwendig und so wurde deutlich, dass MitarbeiterInnen zuhause durchaus produktiv sind. Viele möchten gar nicht mehr zu einem Präsenzmodell zurückkehren.

Das macht sich auch auf den Wohnungsmarkt bemerkbar. Zwar ist die Flucht aufs Land hierzulande nicht so extrem wie zum Beispiel in New York, doch die Nachfrage nach Häusern mit Garten im Speckgürtel und ländlicheren Regionen ist gestiegen.

Unternehmen müssen sich auf diese neue Arbeitsrealität einstellen, wenn sie zukünftig im Wettbewerb um Fachkräfte bestehen wollen. Um ein ortsunabhängiges Arbeiten zu ermöglichen, sind Investitionen in Cloud-basierte Desktop-Anwendungen, Kollaborationslösungen und sicheren gemeinsamen Speicher unumgänglich.

2. Selbst ist der Kunde: Digitaler Self-Service wird unverzichtbar

Der Onlinehandel verzeichnete im vergangenen Jahr einen enormen Anstieg. Im Vergleich zu 2019 stieg der Umsatz im E-Commerce um 14,6 Prozent. Das macht einen Rekordumsatz von 83,3 Mrd. Euro in 2020.

Für den stationären Handel und die Innenstadtentwicklung bedeutet das: Umdenken. Statt dem Abverkauf wird zukünftig der Erlebnischarakter und die haptische Warenpräsentation im Vordergrund stehen müssen. Der reine Warenverkauf wird zunehmend online stattfinden.

Unternehmen, Geschäfte und Behörden werden mehr digitalisieren und KundInnen zu mehr Self-Service befähigen müssen. KundInnen erwarten eine reibungslose Integration von Offline-Präsentation und Online-Kauf. Informationen (Daten und Dokumente) zu Produkten und Transaktionen müssen dazu jederzeit online abrufbar sein.

3. Ortsungebundenes Arbeiten macht die Personalsuche kompetitiver

Remote-Arbeit erfordert, dass Unternehmen ihren MitarbeiterInnen vertrauen. Gleichzeitig aber auch, dass MitarbeiterInnen mehr auf sich selbst gestellt sind. Sie können im Homeoffice zwar selbstbestimmter arbeiten, sind aber auf die Bereitstellung von Schulungstools, Informationen, Daten und Dokumenten durch den Arbeitgeber angewiesen.

Um die Bedürfnisse von Remote-MitarbeiterInnen erfüllen zu können, müssen Unternehmen in neue Tools, in die Erweiterung der Self-Service-Funktionen ihrer Websites, digitalen Dokumente und Formulare investieren. Langfristig gesehen können dadurch aber Kosten für die Personalverwaltung, Mitarbeiterschulungen usw. gesenkt werden.

Wenn die Nähe zum Arbeitsplatz kein Thema mehr ist, wird die Personalsuche zukünftig noch kompetitiver als heute. Andersherum besteht aber auch der Vorteil, dass Fachkräfte in ländlicheren Regionen mit deutlich niedrigeren Lebenshaltungskosten für Jobs in Frage kommen.

EXTRA: Ist dein Unternehmen bereit für Remote Work? Eine Checkliste

4. Künstliche Intelligenz ändert die Nutzung digitaler Dokumente

Mit dem Anstieg von digitalem Geschäftsverkehr, E-Commerce und Homeoffice nimmt das papierlose Arbeiten zu. Digitale Dokumente und Formulare werden für praktisch alle Unternehmen und Behörden Teil des täglichen Arbeitsablaufs. Dieser Wandel wird weitere Innovationen bei digitalen Dokumenten-Technologien wie PDF vorantreiben.

Der Einsatz von künstlicher Intelligenz zur Verbesserung des Dokumentenmanagements wird zum Mainstream werden. Beispiele für den Einsatz von KI in Dokumenten sind:

  • Identifizierung, Extraktion und Einspeisung von Informationen. Geht zum Beispiel eine Rechnung ein, wird sie (falls noch nicht geschehen) in ein digitales Format umgewandelt und automatisch als Rechnung identifiziert. Relevante Informationen wie Zahlungsempfänger, Betrag usw. werden extrahiert. Die Rechnung wird dann elektronisch zur Freigabe und Zahlung weitergeleitet. Alles ohne menschliche Interaktion.
  • Automatisierte Erstellung von repetitiven Dokumenten durch dynamische Vorlagenerstellung. Die KI-Technologie findet zum Beispiel automatisch relevante Verträge auf und erstellt darauf basierend neue Verträge.

5. Sicherheit und Datenschutz werden zum zentralen Thema

Mit der zunehmenden Digitalisierung werden immer mehr Mitarbeiter- und Kundendaten gesammelt, gespeichert und leichter zugänglich. Daher ist es unerlässlich, dass IT-Organisationen Datenschutzrichtlinien definieren und umsetzen, um die Daten ihrer MitarbeiterInnen und KundInnen zu schützen.

Durch die DSGVO sind Sicherheit und Datenschutz für Unternehmen bereits seit 2018 immer mehr in den Fokus gerückt, nicht zuletzt, weil ein Verstoß erhebliche finanzielle Strafen bedeuten kann.

Die Corona-Pandemie ist vielleicht eine der tiefgreifendsten wirtschaftlichen und sozialen Umwälzungen des Jahrhunderts. Daher ist es kaum verwunderlich, dass sie zu großen, langfristigen Veränderungen in unserem Leben und Arbeiten führt.

Unternehmen müssen sich davor nicht fürchten. Aber wenn sie gestärkt in die Zukunft gehen wollen, sollten sie sich für das „New Normal“ wappnen, Veränderung akzeptieren – und in geeignete Technologien investieren.

Carsten Heiermann
Carsten Heiermann ist Chief Evangelist bei Foxit Software. Seit 1995 beschäftigt sich Carsten Heiermann mit Themen rund um Kompression, Standardisierung und elektronische Dokumentenerfassung und -konvertierung und gründete die LuraTech-Gruppe, die 2015 von Foxit übernommen wurde.

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