Streit im Büro bedeutet in der Regel Stress, schlechtes Arbeitsklima und eine grundsätzlich angespannte Stimmung. Das kann dazu führen, dass man in Meetings einfach nicht mehr weiterkommt, die Kollegen nicht mehr richtig kommunizieren und alle nur noch mit einem flauen Gefühl im Magen zur Arbeit gehen. Aber: Streit im Job muss nicht zwingend etwas Schlechtes sein. Manchmal können Konflikte auch ungeahntes Potenzial für ein neues Miteinander zum Vorschein bringen. Der Ton macht die Musik: Werden die Kollegen persönlich, kostet das wertvolle Energie. Diese würde andernfalls in die Suche nach konstruktiven Lösungen fließen. Respektvolle und sachliche Meinungsverschiedenheiten wiederum können zu einem höheren Engagement und einer produktiveren Arbeitsweise führen. Ziel von Führungskräften sollte sein, ein Arbeitsklima zu schaffen, in dem Kritik an einer Sache gestattet ist, ohne Personen anzugreifen.
Mehr zu Konflikten am Arbeitsplatz und ähnlichen Themen findest du am Ende dieses Beitrags.
Woher kommen die Konflikte im Job?
Die Ursachen für einen handfesten Streit auf der Arbeit können natürlich variieren, sind aber häufig in zwei verschiedene Kategorien einzuteilen:
- Wirtschaftlicher Druck
- Umstände der modernen Arbeitswelt
Auf der einen Seite birgt die anhaltende Konjunkturflaute – verursacht durch schwachen Konsum, hohe Energiepreise und strukturelle Probleme – Unsicherheiten für Arbeitnehmer. Diese fühlen sich durch Personalabbau und Sparmaßnahmen stets unter Druck gesetzt. Das erhöht gleichzeitig den Stress und die Anspannung im Arbeitsalltag. Auf der anderen Seite steht die moderne Arbeitswelt mit ihren Herausforderungen. Internationalere, digitalere und interdisziplinäre Teams treffen häufig aufeinander. Das erhöht auch das Risiko für Missverständnisse.
Die Verantwortung der Führungskräfte
Als Teamleiter und oftmals auch Schiedsrichter bei Konflikten müssen Führungskräfte einen kühlen Kopf bewahren – und mit gutem Beispiel vorangehen. Dabei spielen auch ihre Reife und ihre Prioritätensetzung eine Rolle. Ob eine offene Fehler- und Diskussionskultur existiert, hängt von der Selbstreflexion, Offenheit und Fähigkeit der Vorgesetzten ab, unterschiedliche Sichtweisen auszuhalten.
Gleichzeitig ist es essenziell für konstruktive Gespräche, dass Führungskräfte auch Zeit für diese einräumen. Mangelnde Kommunikation kann zu Fehlern führen, deren Korrektur meist teurer und zeitintensiver ist als ein klärendes Gespräch. Eine vorausschauend planende Führungskraft sollte daher dringend Räume schaffen, um gemeinsam über Konflikte am Arbeitsplatz zu sprechen.
Um Konflikten richtig begegnen zu können sind Wortwahl und Ton entscheidend – die sogenannten Kommunikationsmuster. Wirtschaftspsychologin Evelyn Summhammer erklärt gegenüber dem Tagesspiegel, dass der Fokus darauf liegen sollte, sein Gegenüber zu verstehen, statt immer Recht haben zu wollen. Dafür empfehlen sich bestimmte Formulierungen, etwa:
- „Wie kommst du zu dieser Einschätzung?“
- „Was ist dir daran wichtig?“
- „Was genau macht dir daran Sorgen?“
Hingegen sollten andere Formulierungen eher vermieden werden, da diese den Streit im Zweifel sogar verschärfen können:
- „Das stimmt doch nicht.“
- „Das haben wir immer so gemacht.“
- „Jetzt sei doch nicht so emotional.“
Wie Führungskräfte mit Emotionen umgehen sollten
Emotionen können die Wahrnehmung verzerren, ja – aber gleichzeitig dienen sie als Frühwarnsystem. Ärger, Frust und Unwohlsein entstehen nicht ohne Grund. Sie dienen als Indikator für betriebliche Schieflagen, fehlende Ressourcen oder unfaire Situationen mit Kunden oder Kollegen. Werden Emotionen als „unsachlich“ oder „überemotional“ abgetan, gehen wertvolle Informationen für die Praxis verloren. Zudem kann das Ausblenden von Unmut dazu führen, dass tiefere strukturelle Missstände im Unternehmen übersehen werden.
Ein professioneller Umgang mit Gefühlen am Arbeitsplatz bedeutet also nicht, Wut oder Enttäuschung grenzenlos im Raum stehenzulassen. Beschäftigte sollten wiederum Gefühle im ersten Schritt wahrnehmen, im zweiten Schritt für sich selbst reflektieren und im dritten Schritt sachlich und lösungsorientiert ansprechen.
Werden Diskussionen zu hitzig oder gleiten sie ins persönliche ab, verengt sich der mentale Fokus. Logische Argumente kommen kaum noch an. Die wirksamste Maßnahme in einer festgefahrenen oder eskalierenden Situation ist das gezielte Stoppen des Gesprächs. Dies kann etwa durch einen Themenwechsel, eine kurze Kaffeepause oder eine Vertagung auf den nächsten Tag geschehen. Dadurch schaffst du als Führungskraft emotionalen Abstand, der es erlaubt, Stress abzubauen und danach wieder einen frischen Blick auf die Diskussion zu richten.
Hier kannst du mehr aus der Arbeitspsychologie erfahren:





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