Es ist wieder so weit: Ein internationales Fußball-Großereignis wird offiziell eröffnet. Für Millionen Fans beginnt eine mehrwöchige Ausnahmezeit – und das spüren auch die Betriebe. Je nach Austragungsort und Zeitzone des Turniers stehen späte Abendspiele, Nachtmatches oder Partien mitten während der Kernarbeitszeit auf dem Programm.

Für Unternehmer und Führungskräfte stellt sich pünktlich zum Turnierstart die Frage: Wie viel Fußballfieber ist im Betrieb erlaubt, und wo müssen klare Grenzen gezogen werden? Mit diesem Leitfaden steuern Sie Ihr Unternehmen rechtssicher und mit starkem Teamgeist durch die kommenden Wochen – völlig unabhängig davon, in welchem Teil der Erde die Spiele angepfiffen werden.

1. Arbeitszeit ist keine Spielzeit: Die rechtliche Basis

Die wichtigste Grundregel vorab: Ein Recht auf Fußballgucken während der Arbeitszeit oder auf spontanes Zuspätkommen am Morgen danach gibt es im deutschen Arbeitsrecht nicht. Die vertraglich geschuldete Arbeitsleistung muss voll und in gewohnter Qualität erbracht werden.

  • Livestreams und Radio: Das heimliche Verfolgen von Spielen am Arbeitsplatz per Smartphone oder PC-Stream ist ohne explizite Erlaubnis des Arbeitgebers ein Abmahnungsgrund – vor allem, wenn dadurch das Firmennetzwerk überlastet wird. Das Radiohören im Hintergrund ist hingegen meistens geduldet, solange es Kollegen oder Kunden nicht stört und die Konzentration nicht beeinträchtigt.
  • Der Spielplan: Da die Gruppenphase meist sehr dicht getaktet ist, fallen Partien zwangsläufig in die klassischen Arbeits- und Schichtzeiten oder verleiten bei Nachtspielen zum Überziehen des Feierabends. Es gibt keinen automatischen Anspruch auf Freistellung oder Arbeitszeitverkürzung. Wer live dabei sein will oder am Folgetag länger schlafen möchte, muss vorab offiziell Urlaub einreichen, flexibel vorarbeiten oder Überstunden abbauen.

2. Flexibilität als Motivationsbooster: So nutzen Sie den Teamgeist

Anstatt als „Spielverderber“ aufzutreten, können Unternehmer die Turnierwochen nutzen, um die Mitarbeiterbindung massiv zu stärken. Wo es die betrieblichen Abläufe zulassen, bieten sich flexible Lösungen an, die sich agil an den jeweiligen Spielplan anpassen:

Szenario A: Die Spiele fallen in die Arbeitszeit (Nachmittags-/Tag-Spiele)

  • Arbeitszeitkonten nutzen: Erlauben Sie Ihren Mitarbeitern nach Möglichkeit, an Tagen mit wichtigen frühen Spielen früher anzufangen, um pünktlich zum Anpfiff Feierabend machen zu können. Die Stunden können flexibel vor- oder nachgearbeitet werden.
  • Gemeinsames Public Viewing im Betrieb: Richten Sie – wenn machbar – einen Fernseher im Pausenraum oder der Kantine ein. Die verpasste Arbeitszeit kann entweder nachgeholt oder vom Unternehmen als Teambuilding-Maßnahme geschenkt werden. Das stärkt das Wir-Gefühl enorm.

Szenario B: Die Spiele fallen in die Freizeit (Späte Abend-/Nacht-Spiele)

  • Anpassung des Arbeitsbeginns: Wenn Spiele erst tief in der Nacht enden, drohen am Folgetag Schlafmangel und Konzentrationsschwierigkeiten. Bieten Sie für den nächsten Morgen versetzte Arbeitszeiten oder Gleitzeitfenster an, damit die Belegschaft ausgeruht im Betrieb erscheint.
  • Erweitertes Homeoffice: Soweit die Position es erlaubt, senken temporäre Homeoffice-Optionen am Folgetag die Belastung durch den Arbeitsweg und ermöglichen ein flexibleres Energiemanagement der Mitarbeiter.

3. Trikots und Fankultur: Was ist im Büro erlaubt?

Die Vorfreude im Team steigt oft schon Tage vor dem ersten Anpfiff. Doch darf die Belegschaft im Fantrikot am Schreibtisch sitzen?

  • Gibt es Kleidungsvorschriften? In Betrieben mit vorgeschriebener Sicherheitskleidung (Werkstätten, Labore) oder strengem Kundenkontakt (Banken, Kanzleien) bleibt die normale Kleiderordnung ohne Ausnahme bestehen. Sicherheit und Professionalität gehen vor.
  • Die lockere Alternative: Im klassischen Backoffice oder Agenturalltag spricht meist nichts gegen ein Trikot oder einen Fanschal. Wichtig: Setzen Sie als Chef vorab klare, für alle geltende Regeln fest, um Missverständnisse am Morgen des Spieltags zu vermeiden.

4. Das Tippspiel: Ein unkomplizierter, zeitzonenunabhängiger Kultur-Garant

Ein internes Firmentippspiel ist das einfachste und günstigste Tool, um das Betriebsklima über die gesamten Turnierwochen auf einem Hochzustand zu halten. Der große Vorteil: Es funktioniert völlig unabhängig von Anstoßzeiten und Schichtplänen.

  • Das digitale Tippspiel: Nutzen Sie etablierte, kostenlose Online-Plattformen, um eine geschlossene Tipprunde für Ihr Unternehmen zu erstellen. Der Einladungslink lässt sich perfekt in einer internen Ankündigung mit der Belegschaft teilen.
  • Der Anreiz: Loben Sie als Chef einen kleinen, symbolischen Preis für die besten Tipper aus (z. B. einen Gutschein, ein nützliches Gadget oder ein gemeinsames Team-Essen nach dem Turnier). Das sorgt über Wochen für täglichen, positiven Gesprächsstoff abseits der harten Kennzahlen.

Fazit: Mit klarer Kommunikation zum Erfolg

Die Turnierwochen müssen für den Betrieb kein Produktivitätskiller sein. Das Geheimnis liegt in der frühzeitigen und transparenten Kommunikation. Nutzen Sie die Tage vor dem ersten Anpfiff, um klare Spielregeln für Arbeitszeiten, Streams, Erholungsphasen und Outfits zu definieren. Wer als Führungskraft klare Grenzen setzt, aber gleichzeitig Raum für die gemeinsame Begeisterung schafft, geht am Ende des Turniers als echter Gewinner vom Platz.

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