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Trotz der öffentlichen Debatte um das Homeoffice – in der es sich freilich sehr unbeliebt gemacht hat – arbeitet noch immer etwa ein Viertel der Beschäftigten von Zuhause aus, wie Zahlen des ifo-Instituts für Konjunkturumfragen zeigen. Arbeitgeber beklagen, dass ihre Angestellten daheim viel zu viel zeit mit Dingen vergeuden würden, die nichts mit der Arbeit zu tun haben – etwa Kochen, Familie, Balkone und Gärten oder Sport. Aktivitäten eben, die während der Arbeitszeit eigentlich nichts zu suchen haben. Doch der Vorwurf ist etwas absurd – denn im Arbeitsalltag geschehen ohnehin stetig nicht planbare, nicht vorhersehbare Unterbrechungen. Das gehört zur Arbeit dazu und ist gar nicht mal unbedingt schlimm. Denn Ablenkungen im Homeoffice können auch positive Effekte erzielen – wie zum Beispiel für mehr Regeneration, mehr Kreativität oder bessere Konzentrationsfähigkeit sorgen. Wir zeigen Ihnen vier Dinge, mit denen sich Arbeitnehmer im Homeoffice beschäftigen können, um die Unterbrechungen produktiv zu gestalten.

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Homeoffice oder Büro? In beiden Fällen wird Zeit vergeudet

Laut Unternehmen sind derlei Homeoffice-Pausen – Gärtnern, mit den Kindern beschäftigen, Sport – leider unerwünschte Unterbrechungen, die Zeit fressen und wichtige Aufgaben aufschieben können. Das ist wahr – und gleichzeitig nur die eine Seite der Medaille. Die andere ist, dass das Homeoffice gleichzeitig auch zeitsparend wirken kann. Als Vergleich mal der Arbeitsbeginn, als Prozess dargestellt:

HomeofficeBüro
– aufwachen
– an den Tisch setzen
– Laptop anschalten
– Arbeit beginnen
– reinkommen
– Jacke ausziehen
– Kaffee machen
– Technik streikt
– Kollegen begrüßen
– Kurze Unterhaltung bevor es „richtig“ losgeht
– Arbeit beginnen

Man erkennt schon, worauf es hinausläuft: Auch im Büro wird Zeit vergeudet – immer wieder kommt etwas dazwischen, der Arbeitsablauf wird unterbrochen und es lässt sich nicht ändern. Das Homeoffice ist indes immer einsatzfähig, wenn man sich eben nicht selbst mit etwas ablenkt.

Aktivität Nr. 1: Sport statt Kaffeepausen

Was der Vergleich auch zeigt: Bestimmte Ablenkungen sind in den meisten Unternehmenskulturen einfach akzeptierter als andere. Mal eben eine kleine Runde um den Block jogge kann genauso viel Zeit beanspruchen wie eine Zigarette – und dennoch gestehen wohl die meisten Chefs eher Rauchern ihre Pausen zu. Ebenso verhält es sich mit Kaffee, Keksen und Klatsch oder ähnlichen Büro-typischen Aktivitäten. Sport gilt wiederum als Privatvergnügen. Das ist ein Problem, denn: Sport kann fokussiert und kreativ machen, emotional ausgleichen und die Produktivität steigern. Diese Eigenschaften sind alle im Sinne des Unternehmens. Also: Bewegung schadet nicht nur den Angestellten nicht, sondern kann auch dem Betriebsklima gut tun und das allgemeine Stress-Level senken.

Aktivität Nr. 2: Spaziergänge machen den Kopf frei

Die meisten Arbeitnehmer trauen sich nicht, einen kurzen Spaziergang zu unternehmen – denn dann sind sie nicht erreichbar. Doch genau diese ständige Erreichbarkeit ist nachweislich für viele Angestellte ein großer Stressfaktor, wie Untersuchungen zeigen. Wer auch nur eine kleine Chatnachricht oder eine E-Mail übersieht, fühlt sich direkt schuldig. Das hebelt die größte Stärke des Homeoffice wiederum aus: Die Fokus-Zeit leidet darunter, ständig für die Anfragen anderer verfügbar zu sein.

Wer jedoch maximale Produktivität will, der muss auch bereit sein, seinen Mitarbeitern ihre alleinigen Fokus-Zeiten zuzugestehen und ihnen beizubringen, dass Unerreichbarkeit nicht immer etwas schlimmes ist. Und: Wenn man sich einem hartnäckigen Problem stellen muss, hilft stures Kopfzerbrechen in der Regel eher weniger. Stattdessen sind kreative Lösungen gefragt – und für die kann eine kurze Runde Spazieren wieder Platz im Kopf schaffen. Wer Ergebnisse statt nur gearbeiteter Zeit sehen will, fährt damit also gut.

Aktivität Nr. 3: Kochen bietet die richtige Art Ablenkung

Kantinen sind praktisch – doch wer gern kocht oder zum nächsten Imbiss läuft, der kann sich bei solchen kleinen Nebenbeschäftigungen gut entspannen und zur Ruhe kommen. Das beste daran, selbst zu kochen: Ein selbst gekochtes Essen ist meist gesund, schmeckt besser und sorgt gleich für viel bessere Stimmung, wenn man sich wieder an die Arbeit setzt. Zudem wird man von der aktuellen Aufgabe für kurze Zeit abgelenkt, ohne sich geistig weiter verausgaben zu müssen. Kochen beschäftigt, belastet aber nicht – und gleichzeitig bleibt Zeit, um über Problemlösungen währenddessen nachzudenken. 20 Minuten Kochpause, gefolgt von einer Mahlzeit sind also effektiv ein gutes Investment.

Aktivität Nr. 4: Gartenarbeit gibt Motivation

Laub harken, Unkraut entfernen oder schnell mal eine Blume eintopfen? Warum eigentlich nicht – bei diesen Aktivitäten handelt es sich schließlich nicht um tagesfüllende Aufgaben, sondern lediglich kurze Intermezzos, die die Arbeit nur für ein paar Minuten unterbrechen. Zudem kann Gartenarbeit unsere Stimmung aufhellen, denn bei ihr sehen wir direkt ein Ergebnis. Das kann wiederum für die anstehenden Aufgaben bei der Arbeit motivieren und uns dazu anspornen, auch bei der Arbeit deutlich sichtbare Ergebnisse zu erzielen.

Jeder sollte selbst entscheiden – was zählt, sind Ergebnisse

Wer seinem Team nicht genügend vertraut, selbst zu entscheiden, wie die Arbeitszeit genutzt wird, der hat entweder die falschen Leute im Team oder muss erst lernen, zu vertrauen. Denn: Vertrauen zu den Teammitgliedern aufzubauen, ist Aufgabe von Führungskräften. Es ist daher nur logisch, den Fokus der Debatte weg von dem Verhalten der Angestellten und stattdessen auf die Führungskräfte zu lenken.

Jeder muss selbst wissen, wie die Zeit genutzt werden sollte und wie man die Pausen gestalten möchte. Rauchen vor der Tür oder ein Sandwich am Schreibtisch sind zwar sozial akzeptierter als ein Spaziergang oder Gartenarbeit in der Pause, doch letztlich können all diese Aktivitäten gleich erfüllend sein. Bewegung und frische Luft können für manche Arbeitnehmer eben genauso wichtig sein wie eine schnelle Raucherpause oder der Kaffeeklatsch.

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