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Während Arbeitgeber nur allzu gerne mit Benefits wie einem Job-Rad oder Früchtekörben werben, werden Familienfreundlichkeit und flexible Arbeitszeiten oft außen vor gelassen. Eine Studie der Bertelsmann-Stiftung zeigt, dass Unternehmen nur äußerst selten auf die Vereinbarkeit von Familie und Beruf eingehen. Das verschärft die Lage am Arbeitsmarkt – und lässt somit trotz Fachkräftemangel ein ungenutztes Potenzial liegen. Familienfreundlichkeit bleibt für viele Arbeitgeber ein Lippenbekenntnis. Wie können Arbeitgeber gegensteuern, um wirklich familienfreundlich zu sein und attraktiver für Arbeitnehmer zu werden?

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Kinderbetreuung? Fehlanzeige

Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Gerade einmal 2,7 Prozent der untersuchten Stellenanzeigen boten konkrete Hilfe bei der Kinderbetreuung an. Auch bei der Arbeitsgestaltung herrscht Intransparenz. Nur zwölf Prozent der Inserate bekannten sich überhaupt zur Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben.

Bei flexiblen Arbeitszeiten sieht es kaum besser aus. Lediglich 14 Prozent der Ausschreibungen ermöglichten Bewerbern, den Arbeitsumfang selbst zu bestimmen. Ein Viertel der Firmen bot immerhin an, die Wochenarbeitszeit bedarfsgerecht zu verteilen. Die überwiegend vagen Ausführungen in Stellenanzeigen bezüglich der Vereinbarkeit von Beruf und Familie erschweren es Jobsuchenden erheblich, wirklich familienfreundliche Arbeitgeber zu identifizieren.

Mehr Angebote für Akademiker, nur wenige bei Helferjobs

Gleichzeitig sind es vor allem Stellen mit akademischen Abschlüssen, die familienfreundliche Bedingungen versprechen: Etwa 21,4 Prozent der Ausschreibungen für Stellen mit Masterabschluss erwähnten dies. Indes waren es bei Helferjobs nur 11,2 Prozent. Auch bei der Arbeitszeitgestaltung sieht es eher unvorteilhaft für Beschäftigte aus, die keinen höheren Abschluss haben: Etwa ein Drittel der Inserate für höher qualifizierte bot flexible Arbeitszeiten an – bei ungelernten Tätigkeiten waren es nur 14 Prozent. „Beschäftigte mit geringer und mittlerer Qualifikation werden klar benachteiligt“, so Michaele Hermann, Co-Autorin der Studie. Die systematische Benachteiligung verschärft die ohnehin schon schwierige Situation von Geringqualifizierten auf dem Arbeitsmarkt.

Was Unternehmen für Angestellte mit Kindern tun können

Arbeitsmarktexperte Eric Thode von der Bertelsmann Stiftung warnt vor den Folgen dieser Zurückhaltung. Unternehmen müssten in Zeiten des Fachkräftemangels deutlich zeigen, dass ihnen flexible Arbeitsgestaltung und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf wichtig seien – und diesen Worten auch Taten folgen lassen.

Dabei muss Familienfreundlichkeit den Betrieb eigentlich kaum etwas kosten: Schon kleine Maßnahmen können die Lebensqualität der Angestellten mit Kindern erheblich verbessern:

  • Homeoffice ermöglichen: Schon in der Corona-Krise hat sich das Homeoffice bewähren können – es ist nur sinnvoll, Beschäftigten auch jetzt noch (zumindest gelegentlich) das Homeoffice zu ermöglichen. So fallen die Pendelzeiten weg und Eltern haben mehr Zeit für ihre Kinder.
  • Flexible Arbeitszeiten: Teilzeit, Gleitzeit, Vertrauensarbeitszeit, Jahres- oder Lebensarbeitszeitkonten und Sabbaticals ermöglichen Angestellten mehr Flexibilität, um Beruf und Familie zu vereinbaren. Auch die vollzeitnahe Beschäftigung (28-36 Stunden) wird immer attraktiver für Arbeitnehmer mit Kindern.
  • Individuelle Wünsche besprechen: Wer direkt mit seinen Mitarbeitern ins Gespräch geht, kann mit ihnen gemeinsame Lösungen finden, die für alle Beteiligten zufriedenstellend sind.
  • Führen durch Vorbild: Nichts ist besser als ein gutes Vorbild. Wenn Führungskräfte selbst ihre Auszeiten für die Familie ernst nehmen und diese auch nach außen kommunizieren, kann Vereinbarkeit zum festen Bestandteil der Unternehmenskultur werden.
  • Meetings in den Vormittag verlegen: Meetings am späten Nachmittag sind in der Regel eher ungünstig für Eltern – doch wenn Treffen am Vormittag stattfinden, können alle entspannt teilnehmen.
  • Zum Familientag laden: Die Familienfreundlichkeit des Unternehmens soll sichtbar werden? Dann eignet sich ein kleines Familienevent wie ein Tag der offenen Tür oder ein gemeinsamer Ausflug.
  • Eine Ferienbetreuung organisieren: Viele Beschäftigte wünschen sich vor allem während der Schulferien eine adäquate Betreuung für ihre Kinder. Unternehmen können dafür eine betriebliche Ferienbetreuung anbieten, die diese Zeit überbrückt.

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