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Viele Arbeitnehmer in Deutschland arbeiten mehr von zu Hause als offiziell erlaubt. Eine aktuelle Umfrage der Jobplattform Indeed zeigt, dass 27 Prozent der Beschäftigten inoffizielle Homeoffice-Absprachen mit ihren Vorgesetzten treffen – darüber berichtete unter anderem die „Wirtschaftswoche„. Das Phänomen wird als „Hushed Homeoffice“ bezeichnet – zu deutsch „geheimes Homeoffice“. Die Umfrage unter 1.000 Arbeitnehmern ergab, dass jeder Vierte bei guter Leistung mehr Tage im Homeoffice verbringen darf, als die formellen Unternehmensregeln vorsehen. Während viele Firmen ihre Mitarbeiter verstärkt zurück ins Büro holen und Hybridsysteme mit festen Präsenztagen etablieren, entstehen durch diese starren Vorgaben zunehmend Spannungen am Arbeitsplatz. Führungskräfte versuchen diese Konflikte durch flexible Einzelabsprachen zu entschärfen.

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Unzufriedenheit mit starren Homeoffice-Regelungen

Die Mehrheit der deutschen Arbeitnehmer ist mit den aktuellen Homeoffice-Regelungen unzufrieden. Laut der Indeed-Umfrage bemängeln 57,3 Prozent der Befragten die bestehenden Vorgaben, wobei 25,5 Prozent sogar sehr unzufrieden sind. Am zufriedensten zeigen sich mit 47 Prozent jene Mitarbeiter, die frei über ihre Präsenz- und Homeoffice-Tage entscheiden können.

Die Sehnsucht nach mehr Flexibilität ist so groß, dass über 40 Prozent der Befragten bereit wären, finanzielle Einbußen hinzunehmen. Sie würden Gehaltskürzungen akzeptieren, wenn sie dafür einen größeren Anteil ihrer Arbeitszeit von zu Hause aus erledigen dürften. Dies unterstreicht die hohe Bedeutung, die Arbeitnehmer der ortsunabhängigen Arbeit beimessen.

Lockere Kontrollen ermöglichen Umgehung der Regeln

In 68,7 Prozent der Unternehmen ist die Anzahl der erlaubten Homeoffice-Tage klar festgelegt. Die Einhaltung dieser Vorgaben wird jedoch häufig nur oberflächlich überprüft. Bei 50,6 Prozent der Befragten erfolgen lediglich lockere Kontrollen. Strenger kontrolliert wird hauptsächlich in Firmen mit festen Bürotagen – dort in 71,2 Prozent der Fälle.

Diese laxe Handhabung nutzen viele Beschäftigte aus. 54,5 Prozent gaben zu, private Termine wie Arztbesuche bewusst auf Präsenztage zu legen, um sich zusätzliche Homeoffice-Tage zu verschaffen. Gleichzeitig werden 13,8 Prozent der Mitarbeiter öfter ins Büro beordert als offiziell vorgesehen, obwohl ihre Tätigkeit keine physische Anwesenheit erfordert – so sehen sich manche in der „Hushed Homeoffice“-Praxis gerechtfertigt.

Wachsende Kluft zwischen Regeln und „Hushed Homeoffice“-Praxis

Indeed-Karriereexpertin Stefanie Bickert warnt vor den Folgen zu starrer Homeoffice-Regelungen. „Selbst Beschäftigte, die offiziell im Homeoffice arbeiten dürfen, empfinden die bestehenden Regelungen oft als zu starr oder unflexibel“, erklärt sie. Dies führe zu einer „stillen Erosion der formellen Regeln durch informelle Absprachen mit Vorgesetzten“.

Unternehmen, die mit strengeren Anwesenheitsvorgaben gegensteuern wollen, liefen Gefahr, an der Lebenswirklichkeit ihrer Belegschaft vorbeizuplanen, so Bickert weiter. Wer Remote Work nur restriktiv behandle, riskiere nicht nur Frust und Vertrauensverlust. Es drohe auch eine wachsende Kluft zwischen offizieller Firmenpolitik und der tatsächlich gelebten Praxis im Arbeitsalltag. Mit Praktiken wie dem „Hushed Homeoffice“ droht auch die Erosion des Vertrauens unter Kollegen, während Konkurrenzkampf gefördert wird. Wer nicht allzu oft im Homeoffice bleibt, könnte dies beispielsweise nutzen, um sich vor Vorgesetzten zu profilieren und andere Kollegen herabzusetzen.

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